Visus 0,7 für den Führerschein: Was bedeutet das eigentlich? (Demo)

Sehschärfe oder Visus – von diesem Begriff hat sicher jeder eine Vorstellung … eben wie gut man Dinge erkennen kann, die sehr klein oder sehr weit weg sind. Aber wie lässt sich die Idee in Zahlen fassen?

Die subjektiv optimalen Brillengläser lassen sich zwar am besten durch Aufprobieren finden – aber spätestens, wenn es darum geht, Regelungen zu treffen, wer ein Auto fahren oder Pilot werden darf, müssen eben doch verbindliche Zahlenwerte für die Sehschärfe her.

Um in Deutschland den Führerschein zu machen, braucht man einen Visus von mindestens 0,7 auf jedem Auge (keine Sorge: wenn nötig mit Brillengläsern … und die Neuverglasung Ihrer Brille ist hier bei Eyeglass24 besonders günstig). Was 0,7 bedeutet? Am Ende dieses Beitrags sind Sie schlauer!

Der Sehwinkel: Nah und fern auf einer Linie

Also Dinge, die sehr klein oder sehr weit weg sind… Es gibt eine Größe, die zwei nebeneinander liegende Buchstaben im winzig Kleingedruckten mit einem Lichtjahre entfernten Doppelstern gemeinsam haben können: Die beiden (gedachten) Linien, die von unserem Auge zu den beiden Buchstaben gehen, bilden miteinander einen sehr kleinen Winkel. Und genau das gleiche lässt sich auch über die beiden gedachten Linien sagen, die vom Auge zu den beiden Sternenpunkten gehen. Den Winkel nennt man Sehwinkel, und wenn es der Zufall will, sehen wir Buchstaben und Sterne eben unter dem gleichen, sehr kleinen Sehwinkel.

Der Sehwinkel spielt eine wichtige Rolle in unserer Definition der Sehschärfe. Offensichtlich hat die Sehschärfe etwas damit zu tun, unter welchem Sehwinkel wir ein Detail wie eben die “Lücke” zwischen den beiden Buchstaben oder Sternen noch erkennen und also die beiden Objekte als getrennt wahrnehmen können. Beim Menschen bewegt sich dieser grenzwertige Sehwinkel bei guten Kontrast normalerweise im Bogenminuten-Bereich (eine Bogenminute ist ein sechzigstel Grad).

Visus 1 – besser geht immer

Und so wurde in einem ebenso nahe liegenden wie willkürlichen Coup festgelegt, dass es einer Sehschärfe von 1 entspricht, wenn man zwei Objekte unter einem Sehwinkel von 1 Bogenminute gerade noch als getrennt erkennen kann. Allgemein wurde festgelegt, dass die individuelle Sehschärfe immer das Verhältnis von 1 Bogenminute zu dem Sehwinkel ist, unter dem man die beiden Objekte gerade noch getrennt sieht. Hat ein Mensch scharfe Augen, ist sein Grenz-Sehwinkel vielleicht 0,5 Bogenminuten, dem entspräche der Visus 1/0,5 = 2. Sieht er schon unterhalb von 2 Bogenminuten nur noch einen verschwommenen Fleck, hat er die Sehschärfe 1/2 = 0,5.

Übrigens: Visus 1 (wird manchmal auch etwas irreführend als 100 Prozent bezeichnet) ist offensichtlich nicht das Ende der Skala. Mehr als 100 Prozent geht ja normalerweise nicht, aber bei der Sehschärfe schon: Ein Visus um 2 ist beim Menschen keine große Seltenheit.

Visus 0,7: 2 Zentimeter auf 50 Meter!

Zurück zum Führerschein: Visus 0,7 bedeutet, Sie können zwei Punkte, die Sie unter einem Sehwinkel von circa 1,4 Bogenminuten sehen, gerade noch auseinanderhalten. In Entfernungen übersetzt bedeutet das, Sie sehen beispielsweise 2 Zentimeter große Details in 50 Meter Entfernung, oder 0,4 Millimeter große Details in 1 Meter Entfernung(*). Da könnte man fast ein bisschen stolz werden…

Über Tests zur Ermittlung der Sehschärfe, über Landolt-Ringe und Snellen-Haken lesen Sie demnächst auf diesen Seiten.

*Zum Nachrechnen:

Für kleine Winkel gilt die Näherung: Winkel (im Bogenmaß) = Bogenlänge/Schenkellänge

1,4 Bogenminuten = 1,4*2 Pi/(360*60) = 0,0004.

Für Schenkellänge 50 m: Bogenlänge = 0,0004 * 50 m = 0,02 m = 2 cm

Für Schenkellänge 1 m: Bogenlänge = 0,0004 * 1 m = 0,0004 m = 0,4 mm

Kommentare (2)

[…] 10 – ein Sehwinkel von 0,1 Bogenminuten – bedeutet 0,29 Zentimeter auf 100 Meter, 2,9 Zentimeter auf 1 Kilometer […]

[…] einem anderen Beitrag haben wir erklärt, was hinter Visus-Angaben wie 0,7 oder 1 steckt: Die beim Sehtest ermittelte […]

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