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Keratokonus: Crosslinking-Methoden für dünnere Hornhäute

Die Quervernetzung der Kollagenfasern der Hornhaut ist die erste und bislang einzige Therapie bei Keratokonus. Varianten der Behandlung sind sogar für noch dünnere Hornhäute geeignet.

Das klassische Dresden-Protokoll

Die klassische Crosslinking-Behandlung erfolgt nach dem sogenannten Dresden-Protokoll - im Carl Gustav Carus-Universitätsklinikum der sächsischen Landeshauptstadt wurde die Keratokonustherapie mittels Vernetzung der Hornhautfasern nämlich erfunden und 1997 erstmals in der Fachpresse geschildert. Die Behandlung ist eigentlich nicht sehr kompliziert: Das Hornhautepithel wird vorsichtig abgeschabt (es wächst später wieder nach), die Hornhaut wird mit dem photosensibilisierenden Stoff Riboflavin getränkt und dann für 30 Minuten mit UV-Licht einer wohldosierten Intensität bestrahlt. Das UV-aktivierte Riboflavin knüpft Quervernetzungen zwischen den Kollagenfasern der Hornhaut, die dem Gewebe mehr Stabilität verleihen und in vielen Fällen das weitere Fortschreiten der Keratokonuserkrankung aufhalten oder verlangsamen können.

Die 400 Mikrometer-Hürde...

Bei der Planung der Behandlung hat sich ein Wert von 400 Mikrometern als dringende Empfehlung für die untere Grenze der Hornhautdicke etabliert: So viel Dicke sollte mindestens noch vorhanden sein, damit die UV-Strahlung nicht die innerste Schicht der Hornhaut schädigt, das nicht regenerierbare Hornhaut-Endothel. Das Endothel reguliert den Wassergehalt und damit die Transparenz der Hornhaut - funktioniert es nicht mehr, ist die Hornhaut kaum noch zu gebrauchen. Die Forderung nach einer Mindesthornhautdicke von 400 Mikrometern schließt viele Patienten mit moderat fortgeschrittenem Keratokonus von der Behandlung aus. Und die Patienten, die das Kriterium erfüllen, sehen sich einem gewissen Entscheidungsdruck gegenüber: Man könnte auch erst einmal abwarten, ob die Erkrankung überhaupt weiter fortschreitet. Oberhalb von 400 Mikrometer Hornhautdicke kann man mit der Fehlsichtigkeit infolge des Keratokonus in der Regel ganz gut leben: Sogar mit zylindrischen Brillengläsern erreichen die Betroffenen oft noch eine ganz vernünftige Sehschärfe, und mit formstabilen Kontaktlinsen lassen sich auch heftigere Sehfehler gut ausgleichen. Aber was, wenn man vielleicht doch bald den Grenzwert unterschreitet und dann keine Chance auf eine Behandlung mehr hat? Für moderat fortgeschrittenen Keratokonus mit Hornhautdicken zwischen 400 und etwa 350 Mikrometer gibt es nun weitere Behandlungsoptionen.

... und die neuen Wege, sie zu nehmen: Kontaktlinsen-assistiert und hypoosmolar

Die eine Variation des klassischen Crosslinking nennt sich Contact Lens-Assisted Crosslinking, also etwa Kontaktlinsen-assistierte Quervernetzung. Bei dieser Methode wird die Dicke der Hornhaut ganz einfach dadurch vergrößert, dass man sie nach Abschaben des Epithels und Riboflavin-Tränkung für die Dauer der UV-Bestrahlung mit einer ebenfalls Riboflavin-getränkten, UV-durchlässigen Kontaktlinse "aufstockt". Ist jetzt die Minimaldicke von 400 Nanometer erreicht, geht alles so weiter wie beim klassischen Dresden-Protokoll. Eine weitere Möglichkeit ist das sogenannte Hypoosmolare Crosslinking: Dabei wird die Cornea zum Anschwellen gebracht, indem statt der normalen Riboflavin-haltigen Augentropfen eine verdünnte Variante derselben zum Einsatz kommt (wahlweise tun es offenbar auch ein paar Tropfen destillierten Wassers zusätzlich zur normalen Riboflavin-Lösung). Durch Wasseraufnahme quillt die Hornhaut temporär auf die geforderte Dicke, und die UV-Bestrahlung kann beginnen. Experimentierfreudige Praktiker haben bereits Kontaktlinsen-assistiertes und Hypoosmolares Crosslinking kombiniert. Allerdings: Für sehr dünne Corneas stoßen diese Strategien an ihre Grenzen. Zwar ist es meist möglich, auch eine 250 Mikrometer dünne Hornhaut so "aufzupumpen", dass sie die Minimaldickenforderung für die Dauer der Behandlung erfüllt - doch wird die mechanische Verstärkung der Cornea, die an diesem Punkt durch das Crosslinking noch erreichbar ist, mit einiger Wahrscheinlichkeit den Kräften, die die Hornhautwölbung vorantreiben, nicht mehr genügend Gegenkraft entgegensetzen können. Siehe diese Fachpublikation. In einem solchen Fall - oder bei durch starke Hornhautverformung extrem beeinträchtigtem Sehvermoegen - ist eine Hornhauttransplantation immer noch die beste (und eigentlich einzige) Behandlungsoption.

In Deutschland eher nicht so bekannt

Augenkliniken, die die klassische Crosslinking-Behandlung bei Keratokonus durchführen können, gibt es auch in Deutschland mittlerweile etliche (auch wenn die Kassen leider nach wie vor nicht für die Behandlung aufkommen). Ob sie allerdings auch die beschriebenen Varianten für dünnere Hornhäute draufhaben, müssen Sie selbst herausfinden - im Netz ist dazu nichts zu finden.

Morgan Hurd: Die bebrillte Turnweltmeisterin

Die neue Turn-Mehrkampfweltmeisterin trägt eine Brille! Und die sitzt bombenfest... Kopfüber, kopfunter oder in rasanter Rotation: Ob Überraschungssiegerin Morgan Hurd aus den USA bei der Turn-WM in Montreal um den Stufenbarren wirbelt, https://www.youtube.com/watch?v=xaL5GolrLlc auf dem Schwebebalken dahinschwebt https://www.youtube.com/watch?v=gBZg9UYMLwM oder am Boden der Schwerkraft trotzt - ihre Brille rührt sich nicht vom Fleck. Erstaunlich! (Ihre Turnfähigkeiten natürlich auch...) https://www.youtube.com/watch?v=_sOW3NSqBEs

Aber wie hält ihre Brille?

Die Brille auch beim Training und während der Wettkämpfe zu tragen, war eine bewusste Entscheidung. "Ich habs mit Kontaktlinsen probiert," erklärt die Sechzehnjährige, "aber davon habe ich trockene Augen bekommen, und wenn mit was ins Auge geraten war, musste ich sie erst rausnehmen und dann wieder neu einsetzen." Diese Minuten kostbarer Trainingszeit wollte die ehrgeizige Mückengewicht-Gymnastin nicht verlieren. Stattdessen fixiert sie ihre Brille mit einem Neopren-Band um den Hinterkopf. (von hier)

Und ist das bei Stürzen nicht gefährlich?

Höchstwahrscheinlich wird Morgan Hurd Brillengläser aus Polycarbonat oder Trivex tragen - extrem bruchfesten Kunststoffmaterialien, die einiges aushalten können: Polycarbonat- und Trivex-Brillengläser widerstehen dem testweisen Bombardement mit Stahlkugeln oder Projektilen, sie wurden schon mit Hämmern bearbeitet oder gar mit dem Auto überfahren... und blieben heil. (Sie suchen auch solche bruchfesten Brillengläser? Fragen Sie unseren Kundendienst unter service@eyeglass24.de!) Turnerinnen (oder Turner) mit Brille sind eine große Seltenheit - aber Morgan Hurd hat offensichtlich nicht das geringste Problem damit. Und außerdem noch eine Zahnspange! Sehr cool.

Woche des Sehens

Wie wichtig gutes Sehen ist - daran denkt man nicht viel, wenn man zwei (halbwegs) gesunde Augen hat...

Gutes Sehen - keine Selbstverständlichkeit

Jetzt dürfen Sie mal darüber nachdenken - und dabei etwas lernen oder erleben. Vom 8. bis 15. Oktober ist in Deutschland "Woche des Sehens". Die von mehreren Organisationen Blinder und Sehbehinderter (darunter der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband und PRO RETINA, Selbsthilfeverein von Menschen mit degenerativen Netzhauterkrankungen), von der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft und dem Berufsverband der Augenärzte getragene Kampagne will für eine Woche das Sehen mehr ins Licht der Öffentlichkeit rücken und dabei besonders auch auf die Situation blinder und sehbehinderter Menschen sowie auf die Ursachen vermeidbarer Blindheit aufmerksam machen.

Jede Menge Veranstaltungen für Blinde, Sehbehinderte und Sehende

Die Woche des Sehens findet 2017 zum sechzehnten Mal statt und bietet im gesamten Bundesgebiet vielfältige Veranstaltungen für Blinde und Sehbehinderte sowie für besorgte und/oder interessierte Sehende. Insgesamt stehen mehr als 400 Angebote im Veranstaltungskalender. Dabei gibt es
  • Informationsangebote und Fachvorträge zu vielen Themen rund ums Auge in Arzt- und Heilpraxen, Apotheken, bei Hilfs- und Diagnostikmittelherstellern und in Lehr- und Forschungseinrichtungen
  • Workshops rund um Hobbys und Alltagstraining für Blinde und Sehbehinderte, Augengesundheit für Sehende
  • vielfältige inklusive kulturelle Angebote für Betroffene und Interessierte
Ob Tastführung durch Kunstausstellung oder Museum, inklusiver Stadtrundgang, Schnupperklettern in der Kletterhalle, Weinprobe oder Hörfilm - in dieser Woche wird in den deutschen Städten vieles geboten, damit Blinde und Sehende gleichermaßen und idealerweise sogar gemeinsam etwas erleben und dabei ihren Horizont erweitern können. Und so mancher Optiker nutzt auch einfach die Gelegenheit, mit besonderen Beratungsangeboten und kostenlosen Sehtests neue Kunden zu gewinnen...

Bei uns gibts günstige Brillengläser - aber nicht nur in dieser Woche

Wir tun wie immer das, was wir am besten können: Ihre Brille mit hochwertigen, individuell angepassten Brillengläsern neu verglasen. Noch bis zum 9.10. kommen Sie bei EYEGLASS24 zudem in den Genuss unserer Gleitsichtgläser-Sonderaktion: Auf Gleitsichtgläser mit Sehbereichen in Komfort- und Premiumgröße gibt es 20 bzw. 25 Prozent Rabatt. Unser Tipp: Jetzt noch schnell bestellen - Augenwerte nachreichen.

Neuigkeiten von der Keratokonus-Front

Zahlen die Kassen für Crosslinking bei Keratokonus? Immer noch nein: Die Entscheidung ist vertagt. Vor ziemlich genau einem Jahr ging es hier im Blog darum, ob eine Kostenübernahme der Krankenkassen für die Crosslinking-Behandlung bei Keratokonus möglicherweise kurz bevorsteht. Ein entsprechender Antrag war gestellt, der Gemeinsame Bundesausschuss von Kassen und Ärzteschaft - Deutschlands Entscheider in solchen Fragen - hatte das Institut für Wirtschaftlichkeit und Qualität im Gesundheitswesen IQWiG um eine Einschätzung der Methode gebeten, und eigentlich schien alles nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Das IQWiG ist nicht überzeugt

Aber leider trat das IQWiG doch auf die Bremse. In typisch strenger Manier bewertete es die vorliegenden wissenschaftlichen Studien als zum größten Teil so schwer fehlerbehaftet, was Studiendesign und Datenanalyse anging, dass man sie gar nicht verwenden könne. Merkwürdig, dass diese Fehler sonst niemandem aufgefallen waren: Die Meriten so einer Studie müssen normalerweise, bevor sie beginnen kann, von anderen Wissenschaftlern bewertet und abgenickt werden; das gleiche gilt für den Fachartikel, der ihre Ergebnisse präsentiert... "peer reviewing" nennt man diesen Prozess, und er soll eigentlich verhindern, dass Wissenschaftler Zeug publizieren, was nichts taugt. Zwar gebe es, so das IQWiG, schon Anhaltspunkte, dass die Hornhautvernetzung die erste ursächlich wirksame Behandlungsmethode bei Keratokonus sein könne. Aber richtig überzeugt zeigte man sich nicht. Als Maß für die Wirksamkeit der Behandlung wurden Verbesserungen der unkorrigierten und der bestkorrigierten Sehschärfe herangezogen - und wenn die sich für einen Patienten nicht verbessert hatte, bewertete das IQWiG die Behandlung als Reinfall.

... und missversteht, was Crosslinking leisten kann

Das ist eigentlich ziemlich absurd, denn das erste Ziel der Crosslinking-Behandlung ist es, das Fortschreiten des Keratokonus zu stoppen. Und der Progressionsstopp äußert sich in allererster Linie in einer stabilisierten Hornhautdicke und -topographie (darüber fällt im Bericht kein Wort). Die Behandlung wäre demnach mit fliegenden Fahnen erfolgreich, wenn sie das erreicht - auch ohne jegliche Verbesserung des Visus. Dass es keine Verschlechterung gibt: Das ist hier der Erfolg. Insofern könnte man dem IQWiG vorwerfen, gar nicht verstanden zu haben, worum es beim Crosslinking geht.

Abwarten. Nicht leicht, wenn man betroffen ist

Das IQWiG empfahl, die Ergebnisse von 26 weiteren noch laufenden oder gerade abgeschlossenen, aber noch nicht veröffentlichten Studien abzuwarten und dann weiterzusehen. Wenn die Beurteilung der Wirksamkeit der Behandlung allerdings weiterhin nach dem ziemlich fehlgeleiteten Kriterium Sehschärfe erfolgt, sollten die Hoffnungen auf eine günstige Bewertung gedämpft bleiben. Das ist natürlich eine ziemliche Enttäuschung für Keratokonus-Betroffene. Die um die tausend Euro, die für die Behandlung anfallen, hat nicht jeder so einfach parat. Und schreitet die Krankheit fort (zum Glück tut sie das nicht in jedem Fall), hat man etwas weniger die Ruhe weg als das IQWiG. Nicht nur, dass die resultierende Fehlsichtigkeit durch Brillengläser bald nicht mehr zu korrigieren ist und günstigstenfalls speziell angefertigte harte Kontaktlinsen die normale Teilnahme am Alltag ermöglichen: Um ein Kandidat für ein klassisches Crosslinking zu sein, muss die Hornhaut noch eine Mindestdicke von 400 Mikrometern aufweisen. Und die ist bei zunehmender Vorwölbung und Ausdünnung eben irgendwann nicht mehr gegeben.

Neuigkeiten aus der Forschung: Crosslinking für dünne Hornhäute

Aber während die deutschen Entscheider Wasser treten, haben die Forscher zum Glück weitergeforscht. Mit Contact Lens Assisted Corneal Crosslinking gibt es nun eine Abwandlung der Methode, die auch bei dünneren Hornhäuten Anwendung finden kann. Im nächsten Beitrag erfahren Sie mehr.

Proteinentfernung von Kontaktlinsen

Auch Proteinablagerungen auf Kontaktlinsen können zur Kontaktlinsenunverträglichkeit beitragen. Reichen normale Reiniger, um den "Bioschmutz" von der Linse zu entfernen? Brille putzen ist keine Rakentenwissenschaft. Und wenn Sie es falsch angehen (Papierhandtücher, Pulloverärmel...), verkratzen schlimmstenfalls die Brillengläser. Lässt dagegen die Reinigung länger getragener Kontaktlinsen zu wünschen übrig, können Sie sich mit etwas Pech eine schmerzhafte und sogar gefährliche Hornhautentzündung zuziehen.

Komplizierter als Brille putzen: Weiche Kontaktlinsen richtig reinigen

Die Reinigung von Kontaktlinsen stellt Ansprüche an Informiertheit, Gewissenhaftigkeit und Hygiene, die sich schon fast an der Grenze des Alltagstauglichen bewegen. In den letzten Tagen gab es hier mehrere Beiträge zum richtigen Umgang mit den fingernagelgroßen Optik-Scheibchen (Kombilösungen, Peroxidsysteme, niemals Wasser...). Aber wir sind noch nicht fertig. Weiche Kontaktlinsen haben nämlich nicht nur ein Keimproblem. Sondern auch ein Proteinproblem.

Weiche Linsen haben ein Proteinproblem

Je höher der Wassergehalt von Kontaktlinsen, desto dicker und hartnäckiger ist der Proteinfilm, der sich beim Tragen der Linsen auf ihrer Oberfläche bildet. Weiche Kontaktlinsen bestehen, abhängig vom konkreten Material, zu 30 bis 70 Prozent aus Wasser - Hydrogel-Linsen enthalten noch mehr Wasser als Silikonhydrogel-Linsen. Auf solchen wasserreichen Oberflächen lagern sich Eiweiße aus der Tränenflüssigkeit bevorzugt ab, gern auch gemischt mit Fetten, Calcium und dem einen oder anderen bakteriellen Stoffwechselprodukt. Von harten Linsen lassen sich Proteine leicht vollständig entfernen - ein einfacher Reiniger und etwas Reiben mit der Fingerspitze sind genug. Bei Silikonhydrogel- und Hydrogel-Linsen reicht das nicht aus. Der Proteinfilm ist hier schon nach kurzer Tragedauer so dick und so fest mit der Linse verbunden, dass weder die mechanische Reinigung mit einer Kombilösung noch die Behandlung mit Wasserstoffperoxid die Kontaktlinse vollständig sauber bekommen. Hier hat man das mit verschiedenen Kontaktlinsenmaterialien und Proteinen getestet - mit materialabhängig recht unterschiedlichen, aber grundsätzlich nicht berauschenden Ergebnissen.

Kein Oskar für den Proteinfilm

Und was, wenn der Proteinfilm einfach dran bleibt? Er kann allergische Reaktionen auslösen (obschon eigentlich körpereigenes Protein, verknäulen sich die Tränenfilmeiweiße an der Linsenoberfläche und werden wohl deshalb vom Immunsystem als Fremdstoffe eingestuft). Und auch für die Linsen sind die Eiweißablagerungen eher schlecht: Die Transparenz und damit die optische Qualität nehmen ab. Die Wasseraufnahme durch das Gelmaterial wird beeinträchtigt. Damit trocknen die Linsen leichter aus, sind unangenehmer zu tragen, lassen weniger Sauerstoff passieren - und haben insgesamt eine verkürzte Lebensdauer. Die Folgen: Reizung und Rötung der Augen, Fremdkörpergefühl, verminderte Sehqualität. Kurz: Manche Kontaktlinsenunverträglichkeit ist in Wahrheit eine Reaktion auf einen aus dem Ruder gelaufenen Proteinfilm.

Proteinablagerungen wirksam entfernen

Als einzige wirklich zuverlässige Art, wie sich Proteinablagerungen entfernen lassen, gilt seit Erfindung der weichen Kontaktlinsen die Behandlung mit einem Enzymreiniger. Diese auch unter der Bezeichnung Proteinentferner gehandelten Tabs oder Tropfen enthalten ein Enzym (meist das Bakterienenzym Subtilisin A, das auch in enzymhaltigen Waschmitteln steckt), das Proteinmoleküle in kleinste Stückchen zerschneidet. So zerkleinert, können die Proteintrümmer dann einfach von der Kontaktlinsenoberfläche abgespült werden. Die Behandlung mit den Tabs erfolgt einmal wöchentlich - Tablette in Kochsalzlösung oder Reinigungslösung auflösen und nach Gebrauchsanweisung (circa zwei Stunden) auf die Kontaktlinsen einwirken lassen. Alternativ gibt es auch kleine Fläschchen mit Enzymlösung, von der Sie einen Tropfen mit in Ihre normale Reinigungslösung geben. Wichtig ist, dass Sie den Enzymreiniger gründlich von den Linsen spülen, bevor Sie sie wieder einsetzen - sonst gelangt das Enzym in den Tränenfilm und fängt auch dort oder sogar an der Hornhautoberfläche an, Proteine zersetzen. Und das wäre nicht so gut.

Kombilösung mit Proteinentferner? Da ist kein Enzym drin!

Aber Achtung. Nicht überall, wo Proteinentferner draufsteht, ist auch ein Enzymreiniger drin! All-in-one Reinigungslösungen, die damit werben, einen integrierten Proteinentferner zu enthalten, meinen damit kein Enzym. Diese Bezeichnung bezieht sich auf eher unspezifische oberflächenaktive Inhaltsstoffe, die die Bindung zwischen Proteinen und Linsenoberfläche schwächen. Auch sie bleiben, zumal in der täglichen Anwendung, nicht ganz ohne Wirkung - einem ausgeprägten Proteinfilm rücken Sie damit aber eher weniger wirksam zu Leibe.

Peroxidsysteme: Kontaktlinsenreinigung mit Wumms

Effektiv, aber kompliziert in der Anwendung? Ach was: Moderne Einphasen-Peroxidsysteme sind fast genauso komfortabel wie Kombilösungen. Und desinfizieren sehr viel gründlicher.

Schmuddlige Brillengläser? Ein bisschen ärgerlich. Schmuddlige Kontaktlinsen? Riesenproblem!

Wasserstoffperoxid blondiert nicht nur Filmstar-Haare. Kontaktlinsenreinigungssysteme mit Wasserstoffperoxid gehören zum Effektivsten, mit dem Sie Ihre Kontaktlinsen sauber halten können. Und sie sind viel verträglicher für die Augen als die All-in-one Lösungen, mit denen heute etwa 90 Prozent der Linsenträger ihre Sehhilfen reinigen. Und das ist ein doppelter Segen: Nicht nur Mikroorganismen auf den Kontaktlinsen können zu Hornhautentzündungen führen. Manchmal ist auch die Lösung das Problem: Viele der Inhaltsstoffe in Kombilösungen schädigen nämlich ebenfalls die Hornhaut. Peroxidsysteme werden meist Kontaktlinsenträgern mit empfindlichen Augen empfohlen. Aber es gibt keinen vernünftigen Grund, warum Linsenträger mit (bislang noch) unempfindlichen Augen sie nicht nutzen und damit sicherstellen sollten, dass sie ihre Linsen auch weiterhin beschwerdefrei tragen können.

Überlegene Desinfektions-Skills

Komplizierte polymere antimikrobielle Wirkstoffe mit relativ hohem Unverträglichkeitsrisiko? Mit H2O2 sind die unnötig: Die aggressive Wunderwaffe tötet Mikroorganismen aller Art ab, und löst nebenbei auch noch recht effektiv Fette, Proteine und Schmutz. Dabei putzt sie nicht nur die Oberfläche der Kontaktlinse, sondern macht ihren Job auch in den Poren des weichen Linsenmaterials. Und nach getaner Arbeit zersprudelt das simple H2O2-Molekül in harmloses Wasser und Sauerstoff. Peroxidsysteme schneiden im Vergleich der Reinigungslösungen grundsätzlich am besten ab, wenn es darum geht, Akanthamöben, Pilzen oder Bakterien den Garaus zu machen. Ablagerungen aus dem Tränenfilm löst Wasserstoffperoxid etwas besser oder genauso gut wie eine Kombilösung - allerdings, wie Studien zeigen (zum Beispiel Die klassische Variante: Das Zweiphasensystem Nach der manuellen Reinigung mit Kochsalzlösung kommen die Linsen 30 bis 60 Minuten in die H2O2-Lösung. Dann 20 Minuten in einen zweiten Behälter mit der Neutralisationslösung. Damit sind die kleinen Sehhilfen nach 50 Minuten, abgespült mit Kochsalzlösung, wieder frisch am Start. Viele empfinden das Hantieren mit Peroxidlösung, Neutralisationslösung und Kochsalzlösung als kompliziert - aber es ist mit großem Abstand die schnellste und gründlichste Methode der Linsenreinigung.

Für alle, die gern weniger Flaschen im Bad haben: Einphasensysteme

Einphasensysteme sparen mit einem Trick die Neutralisationslösung ein. Hier kann die Reinigung mit der Peroxidlösung entweder in einem Spezialbehälter erfolgen, in dem sich eine Metallscheibe, in der Regel aus Platin, befindet. Bei diesem sogenannten Katalysatorsystem beginnt die Neutralisierung durch die Platinscheibe im gleichen Moment wie die Desinfektion der Kontaktlinse. (Das ist eigentlich suboptimal, weil dadurch natürlich auch die Desinfektionskraft der Lösung immer weiter abnimmt.) Die Linsen müssen mindestens sechs Stunden im Behälter bleiben, um einerseits ausgiebige Desinfizierung und andererseits vollständige Neutralisierung zu gewährleisten. Oder eine mit Zellulose beschichtete Neutralisationstablette wird zu Beginn der Reinigung mit in den Behälter gegeben. Beim sogenannten Tablettensystem beginnt die Neutralisierung erst, wenn H2O2 den Zellulosemantel weggeknabbert hat - diese Systeme desinfizieren also noch etwas besser. Außerdem steckt in den Tabletten manchmal noch ein Farbstoff wie zum Beispiel Vitamin B12, dessen pinke Farbe die bange Frage eindeutig beantwortet, ob man nicht vielleicht vergessen hat, die Neutralisationstablette mit in den Behälter zu geben. Mit einem Tablettensystem sind die Linsen nach mindestens zwei Stunden wieder tragebereit.

Der Schwachpunkt von Peroxidsystemen

Peroxidsysteme, egal ob Einphasen- oder Zweiphasensystem, haben allerdings einen Haken: Nach der Neutralisierung hat die Lösung keine antimikrobiellen Eigenschaften mehr, und eingeschleppte Keime können wieder wachsen. Wenn Sie die Linse gleich nach der Reinigung oder am nächsten Morgen wieder aus dem Behälter nehmen, abspülen und tragen, sind Sie auf der sicheren Seite. Ab einer Tragepause von zwei Tagen aber ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Behälter und Linse wieder kontaminiert sind. Für solche Tragepausen sind sie mit einer Kombilösung als Aufbewahrungslösung tatsächlich besser beraten - oder Sie wiederholen alle Desinfektionsschritte noch einmal, bevor Sie die Linsen wieder einsetzen. Außerdem sind Peroxidsysteme nicht wesentlich als All-in-one Lösungen, wenn es darum geht, Ablagerungen aus dem Tränenfilm von den Kontaktlinsen zu entfernen. Beide Reinigungssysteme machen das in der Regel nur so leidlich. Ob das ein großes Problem für Sie ist, hängt von der Zusammensetzung Ihrer Tränen ebenso ab wie vom konkreten Material Ihrer Kontaktlinsen. Bei hartnäckigen Filmen auf der Linse hilft ein zusätzlich angewendeter Enzymreiniger.

All-in-one Kombilösungen für Kontaktlinsen: Das steckt drin

Gnadenlos gegen Keime, sanft zum Auge? Das ist das Versprechen von All-in-one Pflegeprodukten für Kontaktlinsen. Wie wollen sie es einlösen? Und gelingt das? Um wirksam gegen Bakterien, Fadenpilze und Hefen, Viren und Amöben sein zu koennen, müssen All-in-one Lösungen Mikrobizide enthalten, die erstmal nicht unbedingt Balsam für die Augen sind.

Polymerisierung macht Desinfektionsmittel verträglicher

Oft nutzt die Industrie einen Trick, um diese Chemikalien verträglicher zu machen: Die Desinfektionsmittel stecken dann in polymerisierter Form in den Lösungen. Was das bedeutet? Polymere sind Riesenmoleküle, in denen ein oder zwei Grundbausteine in einer langen "Perlenkette" miteinander verknüpft sind. Solche Superketten sind zwar nicht mehr ganz so effektiv wie einzelne Moleküle, aber dafür wohl kompatibler mit biologischen Geweben.
  • Polyquaternium-1 (auch als Polyquad bezeichnet)
  • Polyhexamethylenbiguanid (auch Polyhexanid oder PHMB genannt)
  • Polyaminopropylbiguanid (PAPB)
  • Bio-Polydol...
... jetzt wissen Sie, warum in den Zutatenlisten von Kombilösungen so regelmäßig die Vorsilbe Poly- auftaucht. Die Grundbausteine der letzten drei Poly-Verbindungen ähneln übrigens in ihrer Struktur dem Desinfektionsmittel Chlorhexidin. PHMB und Polyquad sind häufig in Kombilösungen verwendete Desinfektionsmittel. Bio-Polydol ist eine (möglicherweise) augenfreundlichere Variante von PHMB. Um zum Beispiel die Wirksamkeit der Kombilösungen gegen Akanthamöben, Auslöser der seltenen, aber gefuerchteten Akanthamöben-Keratitis, und Fusarium-Fadenpilze zu erhöhen, werden nicht selten Kombinationen von zwei Desinfektionsmitteln verwendet. In solchen Kombinationen wird oft einer dieser beiden Wirkstoffe eingesetzt:
  • Aldox (auch: Myristamidopropyldimethylamin, MAPD)
  • Alexidine
Weitere typische Zusätze zu Kombilösungen sind Natrium-Edetat (EDTA) und Borsäure/Borat. Diese Zusätze verstärken die desinfizierenden Eigenschaften und erfüllen gleichzeitig weitere Hilfsfunktionen: EDTA ist ein Wasserweichmacher, der die Reinigungswirkung der Lösung erhöht; Borsäure/Borat wird hinzugefügt, um den pH-Wert der Lösung zu stabilisieren.

Wirksamkeit der antimikrobiellen Substanzen

PHMB und Polyquaternium-1 haben hinsichtlich ihrer Wirksamkeit einen guten Ruf. Sie reduzieren auch in niedrigen Konzentrationen die Anzahl diverser für Kontaktlinsen relevanter Keime sehr deutlich. PAPB allein dagegen sollten Sie Ihre Augengesundheit vielleicht nicht anvertrauen: Zumindest in diesem Vergleich mit PHMB versagte der Wirkstoff komplett. In Kombination mit weiteren Substanzen könnte PAPB Synergieeffekte bewirken und damit eventuell sinnvoll sein. Aldox und Alexidine werden nicht allein eingesetzt. In Kombination mit Polyquad oder PHMB scheinen sie die Wirksamkeit der betreffenden Linsenreiniger gegen ein breites Keimspektrum zu erhöhen. Jedoch gibt es hier eine fast unüberschaubare Vielfalt von Publikationen, die unterschiedliche Aspekte untersuchen (Aldox/Alexidine in Kombination mit diesem und jenem anderen Mittel, Wirksamkeit gegen diverse Organismen, mikrobizider Effekt unter verschiedenen Testbedingungen), so dass eine klare Aussage zum Wert der beiden Desinfektionsmittel in diesem Rahmen unmöglich ist.

... und ihre Verträglichkeit für die Augen

Dass Ihre Augen nicht sofort rot werden und zu brennen anfangen, wenn Sie Ihre Kontaktlinsen einsetzen, bedeutet leider nicht unbedingt, dass die in der verwendeten Kombilösung enthaltenen Wirkstoffe komplett harmlos für die Zellen der Hornhaut wären. Von den meisten der erwähnten Substanzen ist bekannt, dass sie langfristig die Hornhaut schädigen. Das kann alles relativ harmlos verlaufen, vor allem, wenn Sie Ihre Kontaktlinsen nicht täglich tragen und bei Anzeichen von Entzündungen direkt auf Brillengläser umsteigen. Es kann aber auch dazu führen, dass Sie mit der Zeit Ihre Kontaktlinsen gar nicht mehr vertragen und chronische Hornhautentzündungen und eventuell sogar trockene Augen bekommen. Trockene Augen ... klingt jetzt erstmal nicht so entsetzlich. Aber fragen Sie mal jemanden, der an einem ausgeprägten Sicca-Syndrom leidet: Das ist kein Spaß, meist nicht zu heilen, und die symptomatische Behandlung ist sehr aufwändig. Welcher dieser antimikrobiell wirksamen Stoffe nun mehr oder weniger toxisch für die Hornhaut sein könnte, werden Ihnen vermutlich auch die Experten, die sich damit regelmäßig beschäftigen, kaum mit Sicherheit sagen können. Fast alle sind jedenfalls einschlägig als zellschädigend bekannt. Hier einige Beispiele: PHMB schädigt die Hornhaut. Dazu gibt es eine Reihe von Publikationen in Fachjournalen: 1, 2, 3, 4. Polyquaternium-1 wurde in mehreren Studien bescheinigt, verträglicher als das berüchtigte Augentropfen-Konservierungsmittel Benzalkoniumchlorid zu sein. Aber auch Polyquad schädigt ziemlich sicher die Hornhaut: 1, 2, 3, 4. Kombilösungen mit Aldox (MAPD) könnten stärker hornhautschädigend wirken als andere All-in-one Produkte. Zu dem Schluss kommt jedenfalls diese Veröffentlichung. Und diese Untersuchung fand, dass Kontaktlinsenträger, die ihre Linsen mit einer Kombilösung mit Polyquad und Aldox reinigten, öfter Hornhautentzündungen hatten als andere, die ein Peroxid-Reinigungssystem nutzten - dass Aldox dafür ursächlich ist, ist damit natürlich noch nicht gesagt. Für Bio-Polydol, eine PHMB-Variante, die von den Herstellern als verträglicher bezeichnet wird, liegen keine wissenschaftlichen Studiendaten vor. Die Stiftung Warentest bescheinigte 2010 einem Produkt der Marke MPG&E, das Bio-Polydol als einziges Desinfektionsmittel enthielt, in der Tat relativ gute Verträglichkeit. Aber dafür mangelhafte Desinfektionseigenschaften. Borat-gepufferte Kombilösungen könnten dieser Studie zufolge den Augen mehr schaden als Produkte mit einem anderen Puffersystem.

Und jetzt? Der Rat der Forscher: Linse vor dem Einsetzen mit Kochsalzlösung abspülen.

Die Forscher, die sich mit den zellschädigenden Effekten der diversen Inhaltsstoffe von Kombilösungen beschäftigen, haben einen guten Rat an die Nutzer dieser Pflegemittel: Spülen Sie die Kontaktlinsen mit einer einfachen Kochsalzlösung ab, bevor Sie sie wieder in die Augen einsetzen. Das ist zwar auch keine Komplettversicherung, denn die Wirkstoffe finden sich nach dem Einweichen im Aufbewahrungsbehälter auch im Inneren weicher Kontaktlinsen, von wo aus sie langsam wieder freigesetzt werden. Aber immerhin.

All-in-one Kombilösungen für Kontaktlinsen: The good and the bad

All-in-one Reinigungslösungen (Kombilösungen) für Kontaktlinsen sind Reiniger, Desinfektions- und Aufbewahrungslösung in einem. Aber taugen sie auch was? Zum hygienischen Umgang mit Kontaktlinsen, die länger als einen Tag getragen werden, gehört das tägliche Reinigen, die tägliche Desinfektion und die Aufbewahrung im Aufbewahrungsbehälter, der mit einer sauberen, sterilen Flüssigkeit gefüllt ist, die ohne Bedenken ins Auge gelangen kann.

Das sind ja gleich drei Dinge auf einmal...

Strenggenommen braucht man für diese drei Aufgaben drei unterschiedliche Produkte. Die Reinigungsflüssigkeit muss - mit manueller Unterstützung durch die reibenden Finger - die Ablagerungen von der Kontaktlinsenoberfläche entfernen, die sich tagsüber aus Protein und Fett der Tränenflüssigkeit, Staub und Schmutz der Umgebung und bakteriellen Stoffwechselprodukten gebildet haben. Dieser sogenannte Biofilm setzt nicht nur die Abbildungsqualität der Linse herab. In ihm können sich auch Bakterien quasi "verschanzen" - dann sind sie durch den im Anschluss folgenden Desinfektionsschritt viel weniger angreifbar. Die Desinfektionsflüssigkeit muss Mikroorganismen auf der Kontaktlinsenoberfläche und - ganz wichtig - auch in den Poren der Linse zuverlässig abtöten. Dabei muss sie möglichst sehr gut gegen unterschiedliche Arten von Bakterien, gegen Viren, Hefe- und Fadenpilze sowie Amöben wirksam sein. Die Aufbewahrungsflüssigkeit schließlich verhindert das Austrocknen der Linsen, hält sie möglichst lange keimfrei und sollte so zusammengesetzt sein, dass sie das Auge nicht reizt - denn aus dem Aufbewahrungsbehälter landet die Kontaktlinse ja tropfnass direkt wieder im Auge.

Das geht nun wirklich nicht...

Für die Reinigung braucht man also, salopp gesagt, so etwas wie eine Spülmittellösung (weder Kontaktlinsen noch Aufbewahrungsbehälter sollten, auch wenn das immer noch nicht jeder Praktiker so sieht, nicht mit Aber Hand aufs Herz: Wie kann das funktionieren? Welche gegen Fett, Protein und Schmutz wirksamen, welche desinfizierenden und sonstigen Bestandteile eine All-in-one Lösung haben kann, wird dadurch, dass diese Wirkstoffe gleichzeitig auch verträglich für die Augen sein müssen (und sich weder gegenseitig "auffressen" noch mit dem Material der Flasche wechselwirken dürfen), sehr eingeschränkt. Die Entwicklung solcher Kombilösungen ist daher keine kleine Herausforderung für die Chemiker der Industrie. Über die Jahre wurden einige clevere Lösungsversuche angeboten - wir erklären das im nächsten Beitrag noch genauer. Trotzdem stellen All-in-one Lösungen potentiell entweder ein Hygieneproblem oder ein Problem für die Augen dar. 2006 kam es zu einer weltweiten Häufung von schweren Hornhautentzündungen, die mit der Nutzung eines speziellen neu eingeführten All-in-one Pflegemittels in Verbindung gebracht wurden. Es stellte sich heraus, dass das Mittel gegen bestimmte häufig vorkommende Fadenpilze nicht wirksam war. ReNu with MoistureLoc wurde daraufhin vom Markt genommen (die ganze Story lesen Sie hier). Die Stiftung Warentest fand in einer Untersuchung aus dem Jahr 2010, dass alle getesteten All-in-one Produkte eins der beiden Probleme hatten: Entweder, sie desinfizierten mangelhaft (und dabei wurde noch nicht einmal die Wirksamkeit gegen das gesamte Spektrum relevanter Mikroorganismen getestet). Oder sie desinfizierten zwar gut, schädigten aber dafür die Hornhaut.

Nachfragen wäre vielleicht doch eine gute Idee

Mittlerweile gibt es zwar neue Produkte, die - natürlich - von sich behaupten, noch viel viel effizienter und dabei oh-so-mild zu sein. Aber ganz ehrlich: Ein gegen diverse Mikroorganismen prima wirksames Desinfektionsmittel plus ein wirksam Fett und Protein lösendes Reinigungsmittel, die Sie sich bedenkenlos täglich ins Auge träufeln können? Da ist ein klein wenig Misstrauen des mündigen Verbrauchers schon am Platz. Im nächsten Beitrag lesen Sie mehr darüber, mit welchen Inhaltsstoffen die Kombilösungen es schaffen (wollen), gleichzeitig gut wirksam und augenverträglich zu sein, sowie einiges über Studien zum Thema.

Die richtige Brille für den Nachwuchs III

Material, Nasenauflage, Scharniere, Brillengläser: Darauf kommt es bei der Auswahl einer Kinderbrille an. 3. Die Brillengläser - Glasmaterial, Größe, Form. Keine Brille fällt so oft herunter wie eine Kinderbrille, keine wird so rau angefasst. Ganz ehrlich: Das komplett tobezimmer-feste Brillengestell ist noch nicht erfunden. Ob Titanflex oder thermoplastischer Kunststoff: Irgendwann erwischt es fast jede Kinderfassung einmal. Damit kann man leben. Bruchfeste beziehungsweise nicht splitternde Brillengläser sind dagegen ein Muss.

Das richtige Material für die Brillengläser der Kinderbrille

Die Krankenkassen zahlen für Kinder und Jugendliche einen von den konkreten Augenwerten abhängigen Pauschalbetrag für bruchsichere Kunsstoff-Brillengläser. Die günstigste Option sind Gläser aus dem Standardmaterial CR-39. Und Eltern, die wissen, dass die Brille ihrer Kinder ohnehin alle Nase lang zerkratzt nach Hause kommt, machen keinen Fehler, wenn sie sich im Interesse des für die regelmäßige Neuverglasung einzuplanenden Budgets einfach für diese Basisvariante entscheiden. Sehr oft raten Optiker für Kinder zu den etwas teureren Kunststoffglasmaterialien Polycarbonat oder Trivex. Diese Gläser sind tatsächlich noch ein ganzes Ende bruchfester - aber etwas weniger kratzbeständig! - als CR-39. Bei hohen Augenwerten (über +-4 Dioptrien) empfehlen sich High-Index-Kunststoffe, um Dicke und Gewicht der Brillengläser zu reduzieren. Dass eine Entspiegelung - am besten noch in Kombination mit einer schmutzabweisenden Clean Coat-Beschichtung - gerade auch für Kinderbrillen eine tolle Sache ist, ist klar. Also: Wenn die Portokasse es hergibt, tun Sie dem Nachwuchs den Gefallen. Sieht besser aus, und erlaubt mehr Durchblick...

Die richtige Größe der Brillengläser

Manchmal wird empfohlen, die Gläser von Kinderbrillen ruhig ordentlich groß zu wählen um zu verhindern, dass die kleinen Racker über den Rand der Brille schauen. Lassen Sie sich durch diesen irrigen Rat nicht zum Kauf einer Riesenbrille bewegen! Ein Brillenglas zeigt sich nur im optischen Mittelpunkt (der sich in Hauptdurchblicksrichtung vor den Pupillen und idealerweise auch etwa in der Mitte des Brillenglases befinden sollte) von seiner besten Seite. Zum Rand des Brillenglases hin verschlechtert sich die Abbildungsqualität zunehmend (und das ist eine grundlegende Eigenschaft von Linsen, die nur durch teuren festen Sitz und die korrekte Zentrierung einer Kinderbrille mit kleineren Gläsern zu gewährleisten. Fazit: Kinderbrille brauchen nicht zu große ovale bis runde Brillengläser aus Kunststoff. Bei der Auswahl der Fassung sollten Sie zudem darauf achten, dass die Pupillen ungefähr durch die geometrische Mitte der Gläser schauen. Ist das nicht so, sondern muss die optische Mitte des Glases den Pupillen folgend weit dezentral sitzen, geraten die Brillengläser nur unnötig schwer und unnötig asymmetrisch: am einen Rand sind sie dann nämlich dicker als am anderen.

Die richtige Brille für den Nachwuchs II

Material, Nasenauflage, Scharniere, Brillengläser: Darauf kommt es bei der Auswahl einer Kinderbrille an. 2. Alles, was die Passform verbessert. Eine Kinderbrille muss richtig gut sitzen! Kinder bringen noch weniger Toleranz für drückende, rutschende oder sonstwie nervende Brillen auf als Erwachsene - und sie stellen die Passform ihrer Brille auch auf eine viel härtere Probe. Eine Brille, die den Wild-Herumrennen-Test nicht besteht, ist schon durchgefallen. Damit muss die Kinderbrille fast das Unmögliche möglich machen: Sie muss bombenfest sitzen. Und darf gleichzeitig am besten kaum zu spüren sein.

Bügel und Scharniere

In den guten alten Zeiten gab es für tobegeeignete Kinderbrillen eigentlich nur eine Lösung: Sportbügel. Manche Optiker nennen sie auch Gespinstbügel, Federbügel oder Spiralbügel: Es sind diese Bügel, die fast einmal ganz um die Ohren herumreichen. Sportbügel gibt es auch heute noch - sogar als silikonüberzogene Einzelteile (sogenannte Sportbügelenden) zum Aufstecken auf normale Metallbügel. Sportbügel können allerdings drücken - der Ansatz von Kinderohren ist eigentlich nicht kreisrund, sondern eher oval. Kinderbrillen, die eine Anpassung durch den Optiker an die individuelle Ohranatomie ermöglichen, sind hier oft besser als ein billiges Ersatzteil. Heute haben die Bügel vieler Kinderbrillen Federscharniere. Das sind Scharniere, die sich viel weiter als bis in die 90 Grad-Position aufbiegen lassen. Einerseits ist das beim Aufsetzen sehr praktisch, da die Bügel nicht gleich brechen, wenn sie ungeschickt gespreizt werden. Und andererseits verbessert es den Sitz der Brille ziemlich dramatisch: Die Rückstellkraft der Feder drückt nämlich die Bügel sanft gegen den Kopf. Unter Umständen können sich dadurch sogar Sportbügel erübrigen. Bei den Allerkleinsten ist es natürlich am allerbesten, wenn die Brille keine Kleinteile hat, die eventuell abgehen können. Für Babys gibt es als einfache Lösung scharnierlose Brillenrahmen mit geraden Kurzbügeln und einem elastischen Kopfband von Bügelende zu Bügelende, das die Brille am Kopf hält. Bei manchen Modellen lassen sich auf diese Bügel als Alternative auch gebogene Endstücke "für hinter die Ohren" aufstecken. Und auch normale Brillenbügel können mit einem unter den Haaren versteckten Kopfband "aufgerüstet" werden - zum Beispiel beim Sport.

Nasensteg

Bei Brillenträgern hat die Nase einen ganz wichtigen Job: Sie hält die Brille oben. Kleine Kinder haben oft winzigkleine, stupsige Nasen mit flachem, breitem Rücken - deswegen ist es wichtig, den Halt der Brille hier bestmöglich zu unterstützen. Je größer die Auflagefläche, desto besser sitzt die Brille. Und desto weniger drückt sie. Eine gute Kinderbrille für kleinere Kinder bietet im Nasenstegbereich Möglichkeiten, austauschbare Elemente anzubringen, die den Brillensitz verbessern. Da wären zum einen die normalen Nasenpads (Seitenstege) - kleine ovale "Flügelchen", die seitliche Auflagefläche am Nasenrücken schaffen. Für noch stupsigere Nasen muss es dann schon ein sogenannter Schlaufensteg (ganz ähnliche Vorrichtungen werden oft auch als Sattelsteg oder Blocksteg bezeichnet) sein: Dieser breitflächige, halbrunde Steg liegt unter dem eigentlichen Nasensteg wie ein Sattel quer über der Nase. Keine Sorge, er ist aus transparentem Silikon, also relativ unauffällig. Der Kleine auf dem Foto oben scheint auch so einen zu haben, wenn man genau hinschaut. Sowohl Pads und als auch Schlaufenstege gibt es in mehreren Größen. Damit lässt sich der Sitz der Brille generell noch ein bisschen korrigieren - manchmal sollte sie zum Beispiel noch um ein Weniges angehoben und/oder nach vorn gerückt werden, damit die Fassung nicht auf den runden Backen aufsitzt, oder um Berührungen der Brillengläser durch lange Augenwimpern zu verhindern. Im letzten Teil der Serie geht es um die richtigen Brillengläser für Kinderbrillen (und im vorigen haben wir uns unter den modernen Materialien für Kinderbrillengestelle umgeschaut).

Die richtige Brille für den Nachwuchs I

Material, Nasenauflage, Scharniere, Brillengläser: Worauf es bei der Auswahl einer Kinderbrille ankommt. 1. Das richtige Material. Schick soll sie aussehen, die Fassung für die Brillengläser. Robust sein. Bequem zu tragen. Möglichst leicht. Und unproblematisch für Allergiker.

Kunststoff

Brillengestelle für Kinder sind oft aus Kunststoff - aus Acetat, aus dem neuen thermoplastischen Polyamid TR90 (manchmal auch Grilamid genannt), oder auch aus Nylon. Gestelle aus Acetat (oben im Bild) sind leicht, und es gibt sie in einer enormen Farb- und Designvielfalt. Das halbtransparente Material lässt sich einfärben, strukturieren, und Materialschichten unterschiedlicher Farbgebung können übereinandergeklebt oder miteinander "verwirbelt" werden: Die Wahrscheinlichkeit, dass sich in dieser Riesenauswahl die neue Lieblingsbrille findet, ist ziemlich groß (ob Mama und Papa dann von der erwählten Farbe und Form auch so hellauf begeistert sind, ist wieder eine andere Frage...). Bruchfest ist so eine Acetatfassung nicht - aber die Reparatur ist zumindest ziemlich unkompliziert: Die Bruchstellen werden mit Aceton weich gemacht und wieder miteinander verschmolzen. TR-90 ist ein spannender Stoff für die Brillen der Allerkleinsten: Das matte, undurchsichtige Material lässt sich bunt einfärben, ist sehr leicht und ungeheuer robust, fasst sich weich an, und es kann warm verformt werden - das heißt, der Optiker kann den Sitz der Brille ganz genau an Kopf- und Ohrenform des kleinen Brillenträgers anmodellieren. Hier eine Brille aus TR-90, die aus einem Stück gefertigt ist: Da können keine Schräubchen oder anderen Kleinteile abgehen. https://www.youtube.com/watch?v=Huhr6SHG_pg

Metall

Besonders belastbar sind Kinderbrillen aus Metall. Gern wird Titanflex angeboten und gekauft, ein sogenanntes Memory-Metall. Gewöhnliche Metallbrillen brechen zwar kaum, verbiegen sich aber leicht. Brillen aus Titanflex dagegen nehmen nach Verformung von allein wieder ihre ursprüngliche Form an. Das ist für Kinderbrillen wirklich eine tolle Sache - Optikerbesuche wegen verbogener Metallbrillen stehen bei manchen Familien mit wilden Brillenträgern im Kindergartenalter quasi wöchentlich an... Hier sieht man, was man mit einer Brille aus Titanflex alles anstellen kann: https://www.youtube.com/watch?v=Ud5cy0kcnV0 Ja, Titanflex hat geradezu Spielzeugpotential: Wie man die Brille auch biegt und verdreht, sie schnickt immer wieder zurück. Bei zu großer Beanspruchung in diesem Sinne kommt es allerdings zu Materialermüdung, und ist die Brille erst einmal gebrochen, wird sie auch nach dem Löten nie wieder ganz die alte.

Nickelallergiker aufgepasst

Leider ist Titanflex nicht nickelfrei, also potentiell problematisch für Allergiker. Was das angeht, sind ohnehin die meisten Metallfassungen potentielle Nickelschleudern: Die üblichen Metallbrillen haben einen Kern aus Neusilber, einer Kupfer-Nickel-Zink-Legierung, oder Monel (Kupfer-Nickel-Eisen). Obendrauf sind sie mit einer dünnen Schicht Edelmetall beschichtet und lackiert. Die nickelhaltigen Legierungen sind wegen ihrer hohen Korrosionsbeständigkeit (und den relativ geringen Materialkosten) beliebt; aus kleinen Kratzern oder abgenutzten Stellen können die Fassungen aber Nickel freisetzen. Gleiches gilt sogar für Brillengestelle aus Edelstahl: Selbst die enthalten gewöhnlich einen kleinen Nickelanteil. Im nächsten Beitrag wird es um den Sitz von Kinderbrillen gehen - was ist zu beachten, damit der möglichst fest, aber gleichzeitig bequem ist?

Augenvorsorge im Vorschulalter: Reichen die U-Untersuchungen?

Augenärzte empfehlen Vorsorgeuntersuchungen der Augen im Kleinkindalter. Für alle Kinder. Die meisten Kassen aber halten so ein Screening nicht für finanzierungswürdig. Von U1 bis U9: Im Kleinkind- und Vorschulalter sind in Deutschland eine ganze Reihe kinderärztlicher Vorsorgeuntersuchungen zu absolvieren. Die Kassen zahlen für den Gesundheitscheck, und in etlichen Bundesländern sind die regelmäßigen Termine sogar beinahe Pflicht - jedenfalls wird das Jugendamt informiert, wenn keine Teilnahmemeldung vorliegt. Ein Aspekt aber wird dabei, so meinen Augenärzte, etwas stiefmütterlich behandelt: die Augengesundheit.

Fachmännischer Augencheck beim Kinderarzt für ein paar Euro? - Da wird einiges übersehen

Zwar sollen die Augen schon bei der U5 im sechsten Lebensmonat auf besonders auffällige Anomalien gecheckt werden: Schielen, gestörte Augenmotorik, beeinträchtigtes Fixationsverhalten, fehlende Pupillenreaktion. Allerdings bemerkte das Deutsche Ärzteblatt 2010, Kinderärzte seien weder ausreichend geschult, um subtilere Anomalien zu bemerken, noch sei der Zeitaufwand dafür mit den für die gesamte U5 abrechnungsfähigen 35 Euro vernünftig vergütet. In einer von der Bertelsmann-Stifung geförderten Studie wurden 665 Kindergartenkinder im Alter zwischen dreieinhalb und viereinhalb Jahren von Augenärzten untersucht. Bei 28 Prozent der Kinder wurde eine Sehstörung diagnotiziert - und 70 Prozent dieser Auffälligkeiten waren in den vorausgegangenen kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen nicht entdeckt worden! Die Studienergebnisse wurden 2002 im Fachblatt Ophthalmologe veröffentlicht - und trugen wohl dazu bei, dass ein Sehscreening explizit zum Bestandteil der 2008 neu eingeführten U7a gemacht wurde.

Schafft die U7a Abhilfe?

Bei diesem um den dritten Geburtstag herum angesetzten Sehtest geht es in erster Linie um die Feststellung einer Amblyopie - einer funktionellen Schwachsichtigkeit eines Auges. Bei dieser Störung übernimmt das bessere von zwei Augen das Sehen komplett. Dadurch kann das schwächere Auge schlimmstenfalls sein Sehvermögen verlieren - nicht etwa, weil es keine (leidlich) funktionierende Optik und Netzhaut hätte, sondern weil die Strukturen im Gehirn, die die Signale dieses Auges verarbeiten, sozusagen verkümmert sind. Die Behandlung sollte einsetzen, solange das Gehirn noch in der Entwicklung ist - die U7a ist also ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings bemängeln Kritiker auch hier, dass Kinderärzte häufig weder über die nötige Ausstattung noch über das spezialisierte Fachwissen verfügten, um jede Amblyopiestörung zuverlässig zu erkennen.

Schuleingangsuntersuchungen: Eine von zwei Sehstörungen wird jetzt erst diagnotiziert

Bei den jährlichen Schuleingangsuntersuchungen wird bei gar nicht wenigen Kindern eine Sehstörung festgestellt, die bislang niemandem aufgefallen war: So befanden sich von den mehr als 70.000 2012 in Niedersachsen untersuchten ABC-Schützen etwa 11 Prozent bereits in augenärztlicher Behandlung, aber noch einmal 13 Prozent erhielten die Empfehlung, einen auffälligen Befund erstmalig beim Augenarzt abklären zu lassen. Ähnliche Zahlen meldet die Stadt Dortmund: Zwischen 2004 und 2006 trugen jeweils um die 10 Prozent der untersuchten Kinder bereits Brillengläser, bei weiteren 10 Prozent (Tendenz leicht steigend) fielen Auffälligkeiten des Sehvermögens erst bei der Schuleingangsuntersuchung auf. Und auch die Ergebnisse aus dem Kreis Euskirchen im Rheinland passen ins Bild: Etwa 18 Prozent der Einschulungskandidaten befanden sich 2014 bereits in augenärztlicher Behandlung, bei 14 Prozent wurde im Gesundheitsamt erstmals ein auffälliger Augenbefund festgestellt. Trotz U7a wird also etwa jede zweite Fehlsichtigkeit erst bei der Schuleingangsuntersuchung diagnostiziert.

Das ist kein großes Problem - außer bei Amblyopie

Einerseits illustriert das Ergebnis natürlich, wie sinnvoll die Schuleingangsuntersuchung ist: So sitzen die betroffenen Kinder nicht mit einer unerkannten Sehstörung im Klassenraum. Bei vielen war die Fehlsichtigkeit möglicherweise ohnehin erst vor kurzem entstanden (dadurch, dass das kindliche Auge einen weitsichtigen "Start" hat, manifestiert sich Kurzsichtigkeit meist frühestens um den Schuleintritt herum). Und auch bei vielen anderen war durch die eventuell etwas verspätete Diagnose sicher kein Schade geschehen. Bei den Kindern mit Amblyopie (Schätzungen zufolge etwa drei bis fünf Prozent) allerdings hätte ein zeitigerer Behandlungsbeginn wahrscheinlich schon geholfen.

Warum zahlen dann viele Kassen nicht für Amblyopie-Vorsorge? - Der Nutzen ist nicht belegt, meint das IQWiG.

Trotzdem ist eine Amblyopie-Vorsorgeuntersuchung beim Augenarzt keine Leistung, die die deutschen Krankenkassen für Kinder notwendigerweise übernehmen. Wenige Kassen tun es, die anderen machen die Zahlung davon abhängig, ob tatsächlich eine Sehstörung gefunden wurde. Woran das liegt? Beauftragt vom gemeinsamen Bundesausschuss (von Krankenkassen und Ärzten), der über die Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherung entscheidet, versuchte sich das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen 2007 an einer Beurteilung der Frage, ob ein augenärztliches Sehscreening bei Kindern vor dem 6. Lebensjahr sinnvoll sei. Man wälzte Studienergebnisse - und kam zu dem Schluss, dass die vorhandenen Studien aufgrund erheblicher methodischer Schwächen größtenteils nichts taugten und es infolgedessen aktuell keine wirklich belastbaren Belege dafür gäbe, dass ein augenärztliches Screening vor dem 6. Lebensjahr einen Nutzen hätte. Die Diagnosesicherheit der zur Verfügung stehenden Tests sei zudem nicht abschließend zu beurteilen. Ebensowenig der potentielle Schaden für übertherapierte Kinder (Kinder, bei denen sich die Sehstörung, wenn undiagnostiziert, irgendwie wieder gegeben hätte). Und zur Notwendigkeit eines frühen Behandlungsbeginns bei Amblyopie heißt es in dem Bericht: Auch da sei die Datenlage uneindeutig, und es könne gut sein, dass eine um ein bis zehn Jahre verschobene Behandlung zu vergleichbaren Ergebnissen führt. Soso. Erfolgversprechender Beginn der Amblyopiebehandlung mit fünfzehn... Das entspricht aber nun wirklich nicht dem augenmedizinischen Konsens in Deutschland... Kurzum, das IQWiG ist sehrsehr skeptisch (womit ja nichts verkehrt sein muss, auf jeden Fall hat man Studien, die sonst nur so larifari zitiert werden, richtig genau und kritisch gelesen). Und drückt die Kosten.

Augenärzte empfehlen die Vorsorge

Der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands hegt naturgemäß weniger Zweifel und empfiehlt die zusätzliche Amblyopie-Vorsorge uneingeschränkt. Bei Kindern mit familiärem Risiko sollte die Erstuntersuchung mit sechs bis zwölf Monaten erfolgen, bei allen anderen zwischen zweieinhalb und dreieinhalb Jahren. Die augenärztliche Vorsorge-Untersuchung bei Kleinkindern ist eine sogenannte IGeL-Leistung, eine individuelle Gesundheitsleistung: Sie kostet zwischen 50 und 100 Euro. Und man muss schon sagen: Der optimale Beginn für eine Amblyopietherapie liegt nicht nur aus unmittelbar medizinischen Gründen im Kleinkindalter. Eine Okklusions- oder Penalisationstherapie ist keine Kleinigkeit - die möchte man möglichst schon hinter sich haben, bevor die Augen im Klassenraum täglich Höchstleistungen erbringen müssen. Und: Wollen Sie Ihre Erstklässler wirklich mit Abklebepflaster ins Schulrennen schicken? Ärzte sprechen von gestiegenen Compliance-Problemen in dieser Altersgruppe. Sprich: Die finden das gar nicht mehr so cool, Cartooncharakter hin oder her.

Kölner Startup mit neuen Ideen für Brillengläser

... beziehungsweise für ihre Befestigung in der Brillenfassung: Die Gründer wollen die gefräste Glasfacette durch einen elastischen Strang aus lichthärtendem Kunststoff ersetzen.

Wie hält eigentlich ein Brillenglas in der Fassung?

Gewöhnlich befindet sich auf der Innenseite des Brillenrahmens eine dünne Einkerbung. Passend zu dieser Nut schleift der Optiker auf den Rand des Brillenglases ein meist dreieckiges Profil, die sogenannte Facette. Das wird schon seit über hundert Jahren so gemacht - obwohl heute oft vollautomatische Fräsen den Job übernehmen, die zuvor sogar die Fassung abtasten und auf Basis dieser Daten die optimale Facette errechnen und schleifen können. Ganz ohne potentielle Probleme war und ist dieses Vorgehen nicht: Brillenrahmen und insbesondere Brillenglas sind wenig flexibel, und wenn Facette und Nut nicht ganz perfekt zusammenpassen, entstehen Spannungen im Glas, die dessen Bruchneigung erhöhen.

Elastic Vision: Auftragen statt abschleifen

Dieser Missstand hat die Erfolgsgeschichte der Brille bislang nicht wesentlich gehemmt. Aber Christian Pöpperl sieht trotzdem Innovationsbedarf: Klar, eine gute Sache kann natürlich immer noch besser werden. Der Absolvent der TH Köln und seine Kommilitonen entwickelten im Rahmen eines Forschungsprojekts namens Elastic Vision eine patentierte neue Methode, Brillenglas und Fassung miteinander zu verbinden. Dazu wird ein dünner Strang eines transparenten Kunststoffmaterials rund um den glatt gefrästen Rand des Brillenglases aufgebracht. Das zunächst visköse Material härtet unter UV-Licht in wenigen Sekunden aus (so ähnlich wie eine Kunststofffüllung beim Zahnarzt...). Das gehärtete Kundtstoffmaterial behält eine gewisse Elastizität und kann damit kleinste Fertigungsfehler - sofern sie denn auftreten bei soviel computergesteuerter Präzision - ebenso ausgleichen wie durch Wärme oder Kälte verursachte kleinste Formänderungen von Fassung und Brillengläsern. So sollen Spannungen im Glas vollständig vermieden werden.

Natürlich computergestützt

Und weil dies das 21. Jahrhundert ist, wird der Kunststoffstrang natürlich nicht einfach so draufgedrückt wie Zahnpasta aus der Tube, sondern computergestützt 3D-gedruckt: Kleinste Tropfen oder dünnste Stränge bauen den Streifen so auf, dass er schließlich genau komplementär zu Form und Verlauf der Nut im Brillenrahmen ist. Trotzdem soll das Ganze aber noch schneller gehen als das konventionelle Schleifen der Facette ... das mit einem Schleifautomaten eigentlich auch ruckzuck erledigt ist. Im Video ist zu sehen, wie die Kunststofffacette aufgedruckt und UV-gehärtet wird. https://www.youtube.com/watch?v=Puxn5qGaNt4&feature=youtu.be Bliebe noch die Frage, wie gut der verwendete Kunststoff denn so am Brillenglas haftet. Denn wenn jetzt die Klebstelle zwischen Glas und Kunststoff die Schwachstelle der Verbindung wäre, hätte man nicht viel gewonnen: Das Glas würde zwar nicht brechen, aber dafür gern mal aus der Fassung purzeln.

Startup will Facettenschleifen bei allen Brillengläsern obsolet machen

Jedenfalls: Die neue Technologie funktioniert nicht nur für Vollrandbrillen, sondern auch für Halbrand- (Nylor-)brillen. Denn natürlich kann der 3D-Drucker auch eine Rille aufdrucken, die dann den Nylorfaden aufnimmt. Damit hat, so die Erfinder, Elastic Vision Potential, das konventionelle Verfahren beim Einschleifen von Brillengläsern völlig zu ersetzen. Zudem Pöpperl ist Mitgründer und Geschäftsvorsteher des neu gegründeten Unternehmens Shape Engineering, das seit Frühjahr damit beschäftigt ist, die selbstentwickelte Technologie marktreif zu machen. Mal sehen, was daraus wird.

Ist bei kurzsichtigen Jugendlichen der Tag-Nacht-Rhythmus durcheinander?

Forscher haben erstmals die Melatoninspiegel kurzsichtiger junger Erwachsener gemessen. Der morgendliche Spiegel des Innere-Uhr-Hormons, dessen Konzentration im Körper tagsüber sinkt und nachts steigt, war bei den Brillenträgern deutlich erhöht: Zeichen eines gestörten Tag-Nacht-Rhythmus. Forscher der britischen University of Ulster um Professor Kathryn Saunders, rekrutierten 54 18-bis 20-jährige Studenten der Universität, von denen 25 kurzsichtig waren. Im Mittel hatten die Brillenträger Augenwerte von -2,37 Dioptrien.

Fast dreimal soviel Melatonin wie Normalsichtige

Den Probanden wurde morgens noch vor dem Frühstück Blut abgenommen und der Melatoninspiegel bestimmt - einmal im Zeitraum März/April, und einmal im Zeitraum September/Oktober. Die Ergebnisse der Messungen wurden jetzt im Fachblatt Ophthalmic & Physiological Optics veröffentlicht. Demnach hatten die kurzsichtigen Probanden morgens fast dreimal (im Herbst) beziehungsweise immerhin reichlich doppelt soviel (im Frühling) Melatonin im Blut wie ihre normalsichtigen Kommilitonen. Darüber hinaus fanden die Forscher einen Zusammenhang zwischen Melatoninspiegel und Dioptrienwert: Die Probanden mit den höchsten Dioptrienwerten hatten tendenziell auch die höchsten morgendlichen Melatoninspiegel.

Melatonin?

Melatonin ist ein Hormon, dessen Blutspiegel sich im Tagesverlauf auf charakteristische Weise ändert: Abends und nachts steigt der Spiegel an, morgens und tagsüber sinkt er. Gefördert und mitgetaktet wird dieser tageszeitliche Rhythmus durch Tageslicht: Die im Sonnenlicht enthaltene Blaulichtkomponente hemmt die Melatoninsynthese im Körper. Viel Melatonin abends und nachts macht uns zur rechten Zeit müde und lässt uns gut und tief schlafen, wenig Melatonin tagsüber macht uns munter. Kommt der Melatoninhaushalt durcheinander - zum Beispiel durch Mangel an Tageslicht oder zu viel Bildschirmzeit am Abend (das Blaulicht von Bildschirmen wirkt wie Tageslicht) - sind wir tagsüber müde und/oder schlafen nachts schlecht ein und durch.

Kleine, simple Studie - hochinteressante Ergebnisse

Nun hatten die Forscher ihre Probanden leider nicht gefragt, wann sie ins Bett gegangen waren, wie gut sie geschlafen hatten und was sich sonst noch so Vertiefendes fragen ließe. Zudem wäre der ganze Versuch mit jüngeren Jugendlichen oder Kindern (bei denen eine Myopie gerade am Entstehen ist) noch um einiges interessanter gewesen. In vieler Hinsicht hat man es sich hier also recht bequem gemacht - die Studenten kommen ja ohnehin an die Uni... - aber die Ergebnisse sind so interessant (ein dreifach erhöhter Spiegel! Das darf man mit Fug und Recht signifikant nennen!), dass in Zukunft wahrscheinlich auch aufwändigere und größere Studien gerechtfertigt erscheinen werden.

Tageslicht, Melatonin und die Entstehung einer Myopie

Die Ergebnisse passen nämlich gut in das Bild, das sich die moderne Forschung von Kurzsichtigkeit und ihrer Entstehung macht: Demnach wird die Ursache der Fehlsichtigkeit in der letzten Dekade zunehmend nicht mehr in zu viel Nahtätigkeiten bei schlechter Beleuchtung gesehen (die alte "Lesen bei Funzellicht verdirbt die Augen"-Hypothese), und auch nicht mehr ausschließlich in genetischer Vorbelastung, obwohl diese weiterhin als relevant angesehen wird. Sondern zunehmend in einem Mangel an Tageslicht im Alltag moderner Kinder und Jugendlicher. Und Tageslichtmangel stört eben genau den Melatoninhaushalt: Zu wenig Tageslicht führt zu einer generellen Erhöhung des Melatoninspiegels. Melatonin wiederum, so wird vermutet, forciert das Wachstum des Augapfels in der Kindheit und eventuell auch noch darüber hinaus - und übermäßiges Augapfelwachstum lässt Kurzsichtigkeit entstehen und weiter fortschreiten. Damit wäre eine einigermassen sinnvolle, wenn auch, wie man die Natur so kennt, wahrscheinlich zu simple Erklaerung für den Zusammenhang zwischen Tageslichtmangel und Myopieneigung zusammengeschustert - und die Ergebnisse aus Ulster scheinen in der Tat in diese Richtung zu weisen.
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