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Kontaktlinsen reinigen mit Durchblick – und ohne Wasser

Kontaktlinsen und Wasser: Dass das riskant ist, wissen viele einfach nicht. Amerikanische Wissenschaftler fragten Linsenträger nach ihren diesbezüglichen Gewohnheiten und Überzeugungen. Im Umgang mit Kontaktlinsen liegt manches im Argen: So tipp-topp hygienisch, wie er sein sollte, ist er ganz oft eben doch nicht. Und manchmal weiß man es auch einfach nicht besser. Nur: Im Gegensatz zu schlampig geputzten Brillengläsern, durch die man schlimmstenfalls ein bisschen schlechter sieht, sind verkeimte Kontaktlinsen ein echtes Gesundheitsrisiko.

Wie halten Kontaktlinsennutzer es mit dem Wasser?

Ein im August 2017 im Fachblatt Cornea veröffentlichter Artikel lenkt die Aufmerksamkeit auf ein spezielles Risikoverhalten im Umgang mit Kontaktlinsen: Hier geht es darum, wie viele Träger von Kontaktlinsen ihre Sehhilfen regelmäßig in Kontakt mit Wasser kommen lassen. Dafür wurden 1056 US-amerikanische Nutzer weicher Kontaktlinsen und 85 Nutzer harter Kontaktlinsen im Alter von 20 bis 76 Jahren mittels Fragebögen nach ihren diesbezüglichen Gewohnheiten befragt.

Wasser für Reinigung und Aufbewahrung: Eigentlich soll man es so nicht machen...

Das Abspülen der Kontaktlinsen mit Leitungswasser praktizierten 91 Prozent der Hartlinsen- und 31 Prozent der Weichlinsenträger regelmäßig. 33 Prozent der Hartlinsen- und 16 Prozent der Weichlinsenträger bewahrten ihre Linsen sogar in Wasser auf. Über 40 Prozent der Weich- und Hartlinsenträger reinigten zudem die Aufbewahrungsbehälter ihrer Linsen mit Leitungswasser. Leitungswasser, so die Experten, bedeutet aber für Kontaktlinsen ein Kontaminationsrisiko. So kristallklar es sein mag - Wasser aus dem Hahn ist nie steril. Es enthält Bakterien, Amöben (oben im Bild...) und Pilze, von denen sich diverse Arten sehr zu den Oberflächen von Kontaktlinsen und Aufbewahrungsbehältern hingezogen fühlen. Dann entstehen hartnäckige Biofilme, in denen Keime auch den Angriff von Desinfektionsmitteln überleben können. Zumal handelsübliche Linsendesinfizierer ohnehin gar nicht gegen jeden Keim wirken: gegen Amöben zum Beispiel muss ein Reiniger laut DIN-Norm gar nicht getestet werden. Besonders problematisch ist der Befall des Aufbewahrungsbehälters. Aus dem kommt die tropfende Linse direkt ins Auge - und mit ihr die ganze Flora und Fauna des Behälters. Das Ergebnis können problematische Hornhautentzündungen sein. Vor allem Infektionen durch Pilze und Amöben sind schwer zu behandeln und führen nicht selten zu permanenten Augenschäden oder gar zur Erblindung.

Duschen und Schwimmen mit Kontaktlinsen: Auch falsch.

86 Prozent der Weichlinsen- und 67 Prozent der Hartlinsenträger duschen regelmäßig mit Kontaktlinsen. Auch das qualifiziert als Risikoverhalten - aus den gleichen Gründen wie oben. 62 Prozent der Weichlinsen- und 48 Prozent der Hartlinsenträger nahmen ihre Linsen auch beim Schwimmen nicht heraus - dabei sind Pool- wie Seewasser noch deutlich keimreicher als Leitungswasser.

Schuld sind die Experten - sagen die Experten

Dass das Risikobewusstsein in diesem Fall so wenig ausgeprägt ist, so die Autoren des Artikels, liegt zu großen Teilen daran, dass sogar die Gebrauchsanweisungen für Hartlinsenreiniger falsche Empfehlungen geben: Manche raten explizit dazu, harte Linsen nach dem Desinfektionsschritt mit Leitungswasser abzuspülen (den gleichen Rat hört man oft genug auch von Kontaktlinsenspezialisten und Optikern), und viele (alle?) empfehlen, den Aufbewahrungsbehälter der Linsen mit Leitungswasser zu reinigen. Auch in den Gebrauchshinweisen zu Pflegeprodukten für weiche Kontaktlinsen fehlen Hinweise auf die Risiken von Leitungswasser. Die Autoren wünschen sich, dass Ärzte, Optiker und Hersteller hier viel deutlicher werden: Sie sollen ihren Patienten und Kunden besser klar machen (und in manchen Fällen selbst erst einmal einsehen...), dass Leitungswasser im Kontakt mit Kontaktlinsen wie Aufbewahrungsbehältern das Risiko erhöht, die Linsen mit gefährlichen Keimen zu kontaminieren.

Möchten Sie das riskieren?

Natürlich muss man sagen: Amöben- und Pilzinfektionen der Hornhaut sind immer noch sehr selten. Bakterielle Hornhautentzündungen sind zwar häufiger, aber auch nicht gerade eine Volkskrankheit. Zwar steht so gut wie fest, dass die entsprechenden Risiken bei Kontaktlinsenträgern eng mit Wasserkontakt von Linsen und/oder Aufbewahrungsbehältern verknüpft sind. Aber negative Folgen sind, verglichen damit, wie verbreitet dieses Risikoverhalten offenbar ist, eben doch sehr selten. Trotzdem haben Patienten und Kunden Anspruch darauf, informiert zu werden. Die Kontaktlinsenträger, die sich beim Schwimmen mit Linsen oder wegen eines durch Leitungswasser verkeimten Aufbewahrungsbehälters eine richtig tückische Keratitis geholt haben, hätten wahrscheinlich schon gern vorher über das kleine Risiko bescheid gewusst.

Schwimmen mit Kontaktlinsen: Sollten Sie nicht machen. Baden oder Duschen auch nicht.

Badewanne, Pool, See oder Meer: Wer mit Kontaktlinsen schwimmt, schwimmt riskant. Eine seltene, aber besonders gefährliche Folge des Badevergnügens kann sonst die Akanthamöben-Keratitis sein.

Kontaktlinsen und Wasser? Riskant!

Kontaktlinsen - egal ob weich oder hart - sollten überhaupt nicht mit unsterilem Wasser in Berührung kommen: so die wissenschaftliche Fachliteratur zum Thema. Das gilt übrigens nicht nur fürs Schwimmen und Planschen in Pool, See und Meer, sondern auch für die Reinigung! Diese wichtige Information ist leider immer noch nicht überall angekommen. Deshalb setzen immer noch viel zu viele Kontaktlinsenträger ihre Linsen während der Nutzung und/oder Reinigung Wasser aus. In der oben erwähnten Publikation vom August 2017 im Fachblatt Cornea gaben 62 Prozent der befragten Träger weicher Kontaktlinsen und 48 Prozent der Träger harter Kontaktlinsen an, mit ihren Linsen auch zu schwimmen (die Fragebogenaktion fand in den USA statt). Das damit verbundene Risiko ist zwar zahlenmäßig nicht sehr groß - aber wenn etwas passiert, wirds oft heftig. Im Auto schnallen Sie sich ja auch an, oder?

Bakterien und Amöben aus dem Wasser können Kontaktlinsen verunreinigen

Mittlerweile berichten nicht nur Fachpublikationen, sondern auch die Presse über einen Anstieg von Hornhautinfektionen, die sich die Betroffenen mit hoher Wahrscheinlichkeit deshalb zugezogen haben, weil sie mit Kontaktlinsen badeten oder ihre Linsen mit Leitungswasser reinigten. Solche Hornhautinfektionen können bakterieller Natur sein - dann sind sie zwar sehr ärgerlich, aber meist gut therapierbar - aber auch durch eine im Wasser lebende Amöbenart ausgelöst werden: Die sogenannte Akanthamöben-Keratitis ist besonders aggressiv und sehr schwer zu behandeln. Die Infektion ist selten - in Deutschland gab es 2013 wohl etwa 200 Fälle - wird aber in den letzten Jahren deutlich häufiger gesehen als früher. Kontaktlinsen stellen das größte Risiko dar: 90 Prozent der mitteleuropäischen Betroffenen sind Kontaktlinsenträger.

Akanthamöben-Keratitis: Richtig gefährlich

Akanthamöben-Keratitis. Bildarchiv des Berufsverbandes des Augenärzte Geschützt hinter der Kontaktlinse, können sich die Parasiten regelrecht in die durch das Linsentragen meist schon etwas vorgeschädigte Hornhaut des Auges bohren. Die ersten Symptome sind die einer unspezifischen Augenreizung: rote, tränende, vielleicht etwas brennende Augen und erhöhte Lichtempfindlichkeit. Nach wenigen Tagen verschlechtert sich die Sicht, das Auge wirkt trüb. Lagern sich die Amöben an die Nervenenden in der Hornhaut an, kommen starke Schmerzen hinzu. Schon nach zwei, drei Wochen kann die Hornhaut durchlöchert und damit irreversibel geschädigt sein. Fortgeschrittene Akanthamöben-Keratitis. Quelle: Bildarchiv des Berufsverbandes der Augenärzte

Sehr aufwändige Behandlung, Risiko bleibender Schäden

Wenn die Betroffenen einen Arzt aufsuchen, wird das seltene Problem leider mitunter erst einmal als Herpes-Keratitis oder bakterielle Infektion verkannt und mit den falschen Medikamenten behandelt. Bei einer Akanthomöben-Keratitis kommt es aber auf jeden Tag an! Die Diagnose wird anhand einer mikroskopischen Untersuchung einer von der Hornhaut abgeschabten Probe gestellt. Bei Erregernachweis erfolgt unverzüglich die Krankenhauseinweisung. Das Behandlungsregime umfasst eine Kombination mehrerer aggressiver Desinfektionsmittel sowie eventuell die Entfernung der besonders befallenen obersten Hornhautschichten. Anfangs werden die Augentropfen Tag und Nacht im Viertelstundenrhythmus gegeben! Nach zwei oder drei Tagen kann die Tropffrequenz auf vier- bis sechsmal täglich reduziert werden, um die Nebenwirkungen unter Kontrolle zu halten. Diese Therapie muss etwa sechs Monate fortgeführt werden - eine einzige verkapselte Amöbe reicht aus, um die Infektion wieder aufflammen zu lassen. Häufig bleibt die Hornhaut permanent mehr oder weniger stark geschädigt. Die resultierende Einschränkung des Sehvermögens durch die getrübte, zerklüftete Hornhautoberfläche kann mit Brillengläsern oder Kontaktlinsen nicht ausgeglichen werden. Lediglich die erhöhte Licht- und Blendempfindlichkeit wird durch Brillengläser mit Blaufilter etwas abgemildert. Schlimmstenfalls bleibt nur eine Hornhauttransplantation - aber erst, wenn das Auge einigermaßen sicher parasitenfrei ist. Und auch dann muss noch lange nachbehandelt werden, um eine Neuinfektion der transplantierten zentralen Hornhaut von den verbliebenen Randbereichen her auszuschließen.

Sind nur Träger weicher Kontaktlinsen gefährdet?

Akanthamöben lagern sich an Kontaktlinsenoberflächen an. Oft liest man, vor allem Träger weicher Kontaktlinsen seien gefährdet. Das mag aber in erster Linie daran liegen, dass viel mehr Fehlsichtige weiche Kontaktlinsen tragen und die Akanthamöben-Keratitis in dieser Patientengruppe deshalb viel besser untersucht ist. Wer harte Kontaktlinsen trägt, lebt wohl doch ähnlich riskant: dieser Fachartikel jedenfalls berichtet von Akanthamöben-Keratitis bei Hartlinsenträgern. Auf den Gedanken, mit den teuren Linsen zu schwimmen, kommen Hartlinsenträger allerdings tendentiell seltener - die gehen im Wasser nämlich ziemlich leicht verloren. Das wichtigste Risiko ist hier die Reinigung mit Leitungswasser. Egal, ob hat oder weich: Weitestgehend sicher schwimmen Sie nur, wenn Sie die Kontaktlinsen herausnehmen oder Einmalkontaktlinsen nutzen, die Sie gleich nach dem Schwimmen wegwerfen. Empfohlen wird auch, vor dem Wiedereinsetzen der regulären Kontaktlinsen die Hände gründlich mit Seife zu waschen. In einem weiteren Beitrag wird es um Empfehlungen zur sicheren Reinigung von Kontaktlinsen gehen - ohne Leitungswasser!

Wachstumsfördernde Wimpern-Seren: Harmlos?

Ob hinter Brillengläsern oder nicht: Dichte, lange Augenwimpern sind eine feine Sache. Viele finden angesichts ihrer naturgegebenen Wimpern, dass da auf jeden Fall noch etwas mehr geht. Es ist ein Jammer - die Haare wachsen beinahe ewig ... wenn man sie lässt. Aber bei den Wimpern ist einfach viel zu früh Schluss.

Warum bleiben Augenwimpern (und Augenbrauen) so kurz?

Das liegt daran, dass Augenwimpern eine viel kürzere Wachstumsphase als Kopfhaare haben: Nach nur einem bis anderthalb Monaten stellen sie ihr Wachstum ein. Und fallen ein paar Wochen später auch schon aus, worauf der Haarfollikel ein neues Wimpernhaar nachschiebt. Dem es genauso ergeht wie dem ersten. Dass nicht alle Wimpern auf einmal ausfallen, liegt einfach daran, dass sich die Wimpernhaare, wie sie den Augenlidern entsprießen, alle an unterschiedlichen Punkten ihres Lebenszyklus' befinden. Daher bemerkt man das Wachstum der Wimpern gewöhnlich auch überhaupt nicht. Die Länge der Wachstumsphase - und damit die Endlänge, die jede einzelne Wimper so ungefähr erreicht, scheint im Wesentlichen genetisch geregelt zu sein.

Wimpernserun mit Bimatoprost - damit werden die Wimpern wirklich länger

Seit einigen Jahren gibt es allerdings einen Wirkstoff, der die Wachstumsphase von Wimpern nachgewiesenermaßen ordentlich verlängern kann. Wie so manches andere Lifestyle-Wundermittel ist auch dieses ein "zweckentfremdetes" klassisches Medikament: Aufmerksam wurde man auf die beautfizierende Wirkung des Prostaglandin-Analogs Bimatoprost zufällig, weil Augendruck-senkende Augentropfen (Lumigan) mit dem Wirkstoff ganz nebenbei die Wimpern von Glaukom-Patienten wachsen ließen. 2008 wurde Bimatoprost von der amerikanischen FDA-Behörde auch als Mittel zur Förderung des Wimpernwachstums zugelassen. Das Pharmaunternehmen Allergan, das bereits aus Botulinumtoxin, ursprünglich einem eher nischigen Mittel unter anderem gegen Lidkrämpfe, den Antifalten-Hit Botox gemacht hatte, versuchte mit Bimatoprost unter dem Markennamen Latisse (komplett identisch mit Lumigan, aber etwa ein Drittel teurer) einen zweiten Streich ähnlichen Kalibers hinterherzuschicken. Allerdings blieb auch Latisse verschreibungspflichtig. Möchtegern-Wimpernprinzessinnen mussten also entweder ihren Hausarzt becircen, bei ihnen eine arg behandlungsbedürtige Wimpernwachstumsstörung zu diagnostizieren, oder halblegal Präparate fragwürdiger Herkunft im Internet bestellen.

Aber auch die Risiken sind real

Die medizinische Fachliteratur seit 2008 behandelt die Sicherheit von Latisse in dutzenden Publikationen. Grundsätzlich gilt das Risikoprofil als gut vertretbar (schließlich hat ja auch die FDA das Mittel abgenickt). Aber komplett unproblematisch ist Bimatoprost nicht: Es verursacht recht häufig gerötete Augen, Lidschwellungen, Hornhautreizungen, Verfärbungen der Lidhaut und führt in selten sogar zu Veränderungen der Augenfarbe.

Ein Leben lang pinseln

Leider hält dann auch noch die nach einigen Wochen zu erwartende erfreuliche Wirkung von Bimatoprost nur so lange an, wie das Mittel täglich auf die Lidkante des Oberlids gepinselt wird. Nutzerinnen in Online-Foren berichten außerdem, dass ihre Wimpern nach Absetzen des Präparats nicht nur heftig ausfielen (diese kurzzeitige Wirkung ist zu erwarten - schließlich sind auf einmal viele Wimpern "überfällig"), sondern auch später nicht einmal wieder ihre ursprüngliche Länge und Dichte erreichten. Das ist natürlich ziemlich bitter. Trotzdem können sich viele immer noch vorstellen, so ein nicht völlig harmloses Serum unbegrenzt anzuwenden. Mittlerweile gibt es in Amerika auch schon mehrere erschwinglichere Generika: Wimpernseren mit dem gleichen Wirkstoff wie Latisse.

Und in Europa?

Ursprünglich wurde erwartet, dass die Zulassung von Bimatoprost als Wimpernwuchsmittel in Europa nur eine Frage der Zeit sei. Tatsächlich ist es dazu aber nicht gekommen. Im Gegenteil: Nachdem 2016 zusätzliche Nebenwirkungen in die Packungsbeilagen von Glaukom-Augentropfen mit Bimatoprost aufgenommen werden mussten (demnach kann der Wirkstoff auch zu allergischen Reaktionen von Auge und Haut führen und Asthmaanfälle triggern), kam es 2017 zu einer behördlich angeordneten Fazit: Muss jeder selbst wissen. Bei der Abwägung von Nutzen und Risiken eines medizinischen Produkts wiegt die Senkung eines durch den Grünen Star gefährlich erhöhten Augendrucks irgendwie schon ein bisschen schwerer als einen knappen Millimeter längere Wimpern. Sollte man zumindest meinen - aber Beautyjunkies mögen das anders sehen.

Durchsichtige Solarzellen – für Sonnenbrillengläser, Fenster, Glaskuppeln…

Adieu schwarze Platte auf dem Dach: Organische Solarzellen werden Solartechnik in Zukunft wohl viel flexibler machen.

Strom aus Brillenglas und Fensterscheibe

Sonnenbrillen mit Solar-Brillengläsern - den Gedanken, gar das Smartphone mit Hilfe eines flotten Ray Ban-Verschnitts zu powern, fand die BILD-Zeitung so schick, dass sie diese Neuentwicklung des Karlsruher Instituts für Technologie im April 2017 zu einem der Highlights der Industrieschau Hannover Messe erklärte. (Die Aussteller der Brille präsentierten außerdem ein süßes 1:50 Modell des berühmten Farnsworth House von Mies van der Rohe, das sich durch seine leicht getönten Kunststoffglasscheiben selbst mit Strom versorgte ...also vermutlich mit ein paar Puppenglühbirnen beleuchtete...) Diverse deutsche und internationale Medien berichten auch gerade jetzt wieder über die solarzellbestückten Sonnenbrillengläser. Anlass ist nun eine Veröffentlichung im Fachblatt Energy Technology, mit der das KIT-Entwicklerteam um Dr. Alexander Colsmann erneut auf sein experimentelles Produkt aufmerksam macht.

Durchsichtige Solarzellen - nanu?

Transparente Solarzellen - Moment mal. Wie kann das denn bitte funktionieren? Sollen Solarzellen Sonnenlicht nicht in elektrische Energie verwandeln? Wie können sie denn dann gleichzeitig durchsichtig sein? Entweder das Sonnenlicht passiert die Solarzelle. Oder Sonnenenergie wird in elektrische Energie verwandelt - dann kann die Solarzelle doch wohl eigentlich nicht transparent sein? Wer sich daher angesichts dieser Nachricht nicht gewundert hat, weiß entweder schon richtig gut Bescheid - oder erwartet von der modernen Technik ohne weiteres Mirakel, die die Grenzen der Physik sprengen. Für alle mit Fragezeichen über den Köpfen kommt hier etwas Zusatzinformation.

Semitransparent - aus der Not eine Tugend gemacht

Es ist schon richtig: Eine Solarzelle kann natürlich niemals komplett transparent für Sonnenstrahlung sein (es gibt allerdings bereits welche, die so gut wie ausschließlich im UV-Bereich absorbieren). In Wahrheit sind die in den solaren Sonnenbrillengläsern verbauten organischen Solarzellen semitransparent, lassen also einen Anteil des sichtbaren Lichts passieren (deshalb werden sie ja auch zu Sonnenbrillengläsern und nicht zu normalen Brillengläsern). Und sie machen gewissermaßen aus der Not eine Tugend. Die Not besteht darin, dass die aus Kunststoff anstelle von Silizium bestehenden organischen Solarzellen in ihren momentan verfügbaren Formen deutlich kleinere Wirkungsgrade als die klassischen, nicht transparenten Solarzellen haben: Maximal um die 12 Prozent der auftreffenden Lichtenergie können sie in Elektrizität umwandeln. Die Tugend: Dafür kann man organische Solarzellen aus semitransparenten Kunststoff-Halbleitermaterialien fertigen und wie getöntes Kunststoffglas verwenden. So ließe sich eben nicht nur mit Brillengläsern, sondern auch mit Glasfronten oder -kuppeln von Gebäuden Strom erzeugen. Das ist dann zwar weniger effizient als mit herkömmlichen Solarpanelen. Dafür aber architektonisch um Längen reizvoller als die bislang noch reichlich unattraktiven schwarz-glänzenden Platten auf dem Dach.

Ein Gimmick - aber ein transparenter Vorgeschmack auf Energielösungen der Zukunft

https://www.youtube.com/watch?v=Y0ckypSiIic&t=3s Die von den KIT-Forschern entwickelten semitransparenten Solarbrillengläser sind ähnlich dick und schwer wie herkömmliche Sonnenbrillengläser aus Kunststoff. Für die oben erwähnte Fallstudie wurden sie in einen handelsüblichen Brillenrahmen eingepasst und versorgten Sensoren, einen Mikroprozessor und zwei kleine Displays in den Brillenbügeln mit Energie. Mit dieser Ausrüstung konnte die, sagen wir, semi-smarte Sonnenbrille dann Beleuchtungsstärke und Temperatur anzeigen. Auch in Innenräumen erzeugten die Solar-Brillengläser noch eine elektrische Leistung von 200 Mikrowatt. Damit lässt sich zwar definitiv keine Glühlampe (und auch kein Smartphone) betreiben - aber, so die Forscher, immerhin ein Hörgerät oder ein Schrittzähler. Die anspruchsvolle Technik moderner digitaler Hörhilfen braucht zwar eigentlich ungefähr das Fünffache dieser Leistung. Aber die Größenordnung stimmt schon. Trotz ihres geringen Wirkungsgrades sind organische Solarzellen aus Kunststoff ein interessantes Forschungsgebiet, da sie sich preiswerter herstellen lassen und vielfältiger einsetzbar sind als anorganische Solarzellen aus Silizium. Die gimmick-artigen Solarpower-Sonnenbrillen sind dabei nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was vielleicht in Zukunft mit organischer Solartechnik möglich sein wird.

Spielen im Freien verhindert Kurzsichtigkeit bei Kindern: Neue Anhaltspunkte

Eine recht große Studie aus Rotterdam bestätigt, was Wissenschaftler in den USA und Australien auch schon fanden.

Lesen macht kurzsichtig? Das sieht man heute anders.

Der Verdacht, dass gar nicht so das lange und vehement beschuldigte Lesen unter der Bettdecke kurzsichtig macht, sondern eher ein Mangel an Tageslicht, kam amerikanischen und australischen Forschern in den Nullerjahren. Seitdem hat die zunächst überraschende neue Hypothese Fahrt aufgenommen. Die kürzlich im British Journal of Ophthalmology veröffentlichen Ergebnisse einer sechs Jahre währenden Studie mit 5711 niederländischen Kindern liefern mehr Treibstoff: Auch hier erwies sich die im Freien verbrachte Zeit als wichtigster Risikofaktor für die Entstehung der kindlichen Myopie.

Forscher werten die Lebensgewohnheiten von 5711 Kindern aus

Die Forscher vom Erasmus Medical Center in Rotterdam begleiteten die Kinder und ihre Mütter von der Geburt bis zum sechsten Geburtstag (also, von fern...). Mit Hilfe der Mütter sammelten sie Daten darüber, wie die Kinder ihre Zeit verbrachten, sowie zu den sozialen und ökonomischen Bedingungen, unter denen sie aufwuchsen. Nach dem sechsten Geburtstag wurde das Sehvermögen der Kinder untersucht, und die Wissenschaftler stellten fest, dass 137 von ihnen (2,4 Prozent) bereits jetzt kurzsichtig waren. (Bei so frühem Einsetzen schreitet eine Myopie oft weiter fort, und die Betroffenen entwickeln letztlich eine sehr starke Kurzsichtigkeit).

Wer Brillengläser brauchte, war sechs Jahre lang weniger draußen

Nun kamen die Berechnungen: Mit mathematisch-statistischen Tools wurden die Korrelationen zwischen den verschiedenen Lebensaspekten der Kinder und den Resultaten ihrer Sehtests ermittelt. Dabei stellte sich heraus, dass die kurzsichtigen Kinder im Schnitt weniger Zeit draußen verbracht hatten und weniger Sport trieben (was für Sport treiben Unter-Sechsjährige??), entsprechend tendenziell auch geringere Vitamin D-Spiegel im Blut und einen höheren Body Mass Index hatten. Zwar gab es ebensolche Korrelationen zwischen Kurzsichtigkeit und niedrigem Bildungsgrad der Mutter, niedrigem Familieneinkommen und nichteuropäischer Herkunft - diese aber, so die Forscher, rührten daher, dass Studienteilnehmer mit diesen Merkmalen eben mit ihren Kindern auch tendenziell mehr drinnen waren.

Ein Steinchen im neuen Theoriegebäude

Dabei sehen die Studienautoren ihre Ergebnisse nicht ganz unkritisch: Ihr Anspruch auf Allgemeingültigkeit werde durch die relativ geringe Anzahl kurzsichtiger Kinder etwas eingeschränkt, zudem wurden keine Daten zur Kurzsichtigkeit der Eltern erhoben (ja, warum haben sie das nicht einfach gemacht, die Schussel?). Trotzdem haben die Rotterdamer Wissenschaftler einen weiteren kleinen Baustein zu einem neuen Theoriegebäude zur Entstehung der Kurzsichtigkeit geliefert. Demnach spielt wohl der natürliche Wechsel zwischen Tageslicht und relativer Dunkelheit in der Kindheit eine wichtige Rolle bei der Regulation des Augapfelwachstums.

Wie lange muss ich noch draußen bleiben, Muddi?

Natürlich müssen die Experten jetzt auch einen praktischen Ratschlag geben - für wie lange sollen wir unsere widerstrebenden Kindergartenkinder also in den Garten jagen? Etwa 15 Stunden pro Woche, so die Forscher.

Da bleibt kein Auge trocken: Der TrueTear Neurostimulator

Wer an trockenen Augen leidet, hat immer ein Fläschchen künstliche Tränen zur Befeuchtung der Hornhaut in der Tasche. Aber wären echte Tränen nicht besser als jeder Ersatz?

Nichts geht über echte Tränen

Natürliche Tränen enthalten so viele Nährstoffe, Immunfaktoren und körpereigene Botenstoffe, dass der Versuch, sie vollwertig durch ein künstliches Produkt zu ersetzen, von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Künstliche Tränen befeuchten die Hornhaut mit einer isotonischen Salzlösung - und sie enthalten vielleicht noch Schleimstoffe, Vitamine oder den einen oder anderen sonstigen Wirkstoff, der dem Auge gut tun soll. Aber an die Komplexität des Originals reichen sie nie und nimmer heran. Außerdem sind oft auch noch Konservierungsstoffe drin, von denen eigentlich klar ist, dass sie trockenen Augen schaden. Eine Möglichkeit, künstliche Tränen durch ein körpereigenes Produkt zu ersetzen, sind Eigenserum-Augentropfen. Mit denen haben viele geplagte Sicca-Patienten Linderung ihrer Symptome erlebt. Auf dem Weg zu den Eigenserum-Augentropfen aber müssen Sie eine Menge Hürden überspringen: Nur wenige Augenkliniken und Transfusionszentren dürfen die überhaupt herstellen.

Ein Tränendrüsendrücker für die Handtasche

Vielleicht gibt es in Zukunft auch in Deutschland einen viel einfacheren Weg. In den USA jedenfalls hat die dortige Gesundheitsbehörde FDA im April 2017 ein kleines Gerät zugelassen, das die Bildung echter Tränen im Auge stimuliert. Es nennt sich TrueTear und wurde von einem kalifornischen Startup namens Oculeve erfunden. Das wiederum ist mittlerweile im Besitz des irischen Pharmariesen Allergan. (Allergan produziert auch Restasis, cyclosporinhaltige Augentropfen, die zu den etablierteren Behandlungsmöglichkeiten des trockenen Auges gehoeren.) TrueTear erzeugt schwache Elektroschocks, mit denen der Trigeminusnerv stimuliert wird. Der auch als Drillingsnerv bekannte Nervenstrang entspringt im Gehirn und sendet seine vielfach verzweigten Äste zu Mund, Nase und Augen. Er steuert die Kaumuskeln, ist für einen Großteil der Empfindungsfähigkeit im Gesichtsbereich zuständig und innerviert auch die Speichel- und Tränendrüsen. Interressant ist, wo TrueTear den Trigeminusnerv "erwischt": nämlich im Inneren der Nase. Dort innerviert der Drillingsnerv als feines Geästel die Nasenschleimhaut.

Intranasale Stimulation lässt die Tränen sickern

Und dorthin muss man die mit weichen Hydrogelkissen überzogenen auswechselbaren Zinken des TrueTear-Geräts schieben: in die Nase, möglichst weit nach oben. Und von innen gegen den Nasenrücken gedrückt halten. Ein Knopfdruck liefert den Mini-Schock, es kitzelt ein bisschen in der Nase - und die Augen werden feucht. TrueTear wurde in einer großen klinischen Studie ein halbes Jahr lang getestet und erfüllt offenbar ohne größere Nebenwirkungen seinen Zweck. Und es steckt in einem schmucken weiß-türkisen Gehäuse, kaum größer als eine TicTac-Packung, das in den besten Handtaschen nicht fehl am Platze wäre.

Auf den ersten Blick eine sehr sinnvolle Idee

Natürlich träumt niemand davon, sich zwei Zinken in die Nase zu schieben. Aber diese Behandlung für trockene Augen könnte auf Dauer nicht nur gesünder, sondern auch trotz allem komfortabler sein als das wiederholte Applizieren von Augentropfen. Jeder zehnte Testnutzer registrierte ein gewisses Unbehagen rund um die Nase, das aber im Laufe der Studie milder und seltener wurde. Fünf Prozent erlebten gelegentliches Nasenbluten. Ernstere Nebenwirkungen traten während der Studie nicht auf.

Leider noch nicht in Deutschland

Nur leider: In Deutschland gibt es den nasalen Neurostimulator noch nicht. Und er darf, sicher ganz zu Recht, auch in den USA nur von Augenärzten verkauft werden. Hier heißt es also Geduld haben. Oder erfindungsreich werden: USA-Reisende könnten TrueTear sicherlich von einem einheimischen Augenarzt erwerben. Momentan bieten allerdings auch dort noch nicht viele Kliniken das nagelneue Gerät an. Für alle, die sich die Sache mit der nasalen Neurostimulation noch nicht richtig vorstellen können, hier ein Blick auf TrueTear und seine Anwendung, vorgestellt von reizenden jungen Damen: https://www.youtube.com/watch?v=mbNPGg60Rpc

Tecnis Symfony fast ohne Halos? Naja…

Die Intraokularlinse Tecnis Symfony soll scharfe Sicht in einem erweiterten Entfernungsbereich bieten - und trotzdem weniger Probleme mit Halos machen als viele multifokale Intraokularlinsen. Eine Patientenbefragung am Universitätsklinikum Heidelberg stellt das in Frage.
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